Nachfrage, Verbrauchernachfrage

Nachfrage, VerbrauchernachfrageErschei­nungsform des Bedarfs auf dem Markt. Über Angebot und Nachfrage vollzieht sich der Austausch der Waren. In der kapitalistischen Gesellschaft zeigen sich im Verhältnis von Angebot und Verbrauchernachfrage die Anar­chie und Widersprüchlichkeit der ökonomischen Entwicklung. Angebot und Nachfrage stimmen hier im Prinzip nicht überein. Grundsätzlich wird durch sie die Entwicklung der Wirtschaftsstruktur spontan reguliert. — Im Sozialismus ist es ein Grundanlie­gen, die prinzipielle Übereinstimmung von An­gebot und Nachfrage oder das sozialistische Planungssystem herzustellen. Über die Bilanzierung (Bilanzie­rung der Kauffonds, der Warenfonds und der Preisentwicklung) und die sozialistische Preis- politik wird sie zunächst in grundsätzlichen Proportionen gesichert und im Detail schließlich über die eigenverantwortliche Planung und Tätig­keit der Betriebe im Bereich der Warenproduktion und -zirkulation mit Hilfe der Wirtschaftsverträge und aktiver Marktarbeit erreicht. — Die Verbrauchernachfrage spiegelt den Bedarf nicht immer exakt wider, so kann sie bei nicht bedarfsgerechtem Angebot bis zur Be­darfsdeckung wiederholt und überhöht auftreten. Daneben gibt es vor allem im Einzelhandel die Nachfrage zur Information über das Warenangebot, um eine Kaufentscheidung vorzubereiten. Dieser fiktiven Nachfrage liegt oft noch kein tatsächlicher Bedarf zugrunde. Sie birgt die Gefahr zu hoher Bestel­lungen beim Großhandel in sich, da sich nicht ausschließen lässt, dass Bedarfsäußerungen doppelt gezählt werden. Die Verbrauchernachfrage reagiert auf Veränderun­gen der Marktfaktoren. Diese Nachfrageelastizität und die entsprechenden Koeffizienten zu ermit­teln, ist eine Aufgabe der Bedarfsforschung. Auf dem Konsumgütermarkt ist es z. B. bes. wichtig zu berechnen, wie die Nachfrage auf Einkommens- und Preisveränderungen reagiert. -- Die Nachfrage wiederholt sich. in bestimmten Zeitintervallen. Diese Nachfra­geperiodizität hängt von der Nutzungsdauer des Gebrauchswertes, dessen Preis, den Konsumtions­gewohnheiten und der modischen Entwicklung ab. Danach sind zu unterscheiden: Waren oder Dienst­leistungen mit sehr kurzer Nachfrageperiode (tägliche Verbrauchernachfrage; z. B. Nahrungs- und Genussmittel, Verkehrsleistungen), mit mittlerer Nachfra­geperiode (periodische Verbrauchernachfrage; z. B. Textilien, Schuhe, Friseurleistungen) und mit langer Nachfra­geperiode (seltene, einmalige oder aperiodische Nachfrage; z. B. Möbel, technische Konsumgüter). Die Grenzen zw. diesen Gruppen sind fließend. Mit zunehmendem Lebensstandard verkürzen sich die Intervalle der periodischen und aperiodischen Verbrauchernachfrage.