nationaler Markt

Nationaler Markt, — der auf den gesamten Austauschprozess im nationalen Territorium erweiterte innere Markt. Diese Ausweitung bedeutete nicht nur eine quantitative, sondern vor allem eine qualitative Veränderung des Marktes. Während der innere Markt eines Teilgebietes für die Auf­rechterhaltung der neben umfangreicher Natural­wirtschaft bestehenden vorkapitalistischen und der manufakturellen Warenproduktion sowie deren Absatz ausreichte und vielfach sich erst in der Manufakturperiode voll ausbildete, erfordert die Fabrikindustrie einen großen Raum, in dem sie möglichst frei von außerökonomischen Hindernis­sen ihre massenhaft produzierten Waren verkau­fen, Rohstoffe, Halbfabrikate und Arbeitskräfte je nach Bedarf kaufen und an die günstigsten Pro­duktionsstandorte bringen kann. Indem der nationaler Markt das Wirken des Wertgesetzes auf einem großen Territorium, ungehindert durch Zollschranken und mannigfaltige Maß-, Gewichts- und Währungs­unterschiede, ermöglichte, regte er zu ständiger Erhöhung und Vervollkommnung der industriellen Produktion an und trug zum Sieg der kapitalisti­schen Produktionsweise über alle feudalen u. a. vorkapitalistischen Verhältnisse bei. Als Grad­messer der Herausbildung des nationalen Markts kann die fortschreitende Vereinheitlichung der Preise für gleichartige und der Preisrelationen zw. verschie­denartigen Waren dienen. In Deutschland war die Gründung des Deutschen Zollvereins 1834 der erste Schritt zu einem nationalen Markt. Doch erst als die politische Einheit 1871 hergestellt und etwas später die Handelsgesetzgebung, das Maß-, Gewichts- und Währungssystem vereinheitlicht waren sowie das Verkehrsnetz sich verdichtet hatte, konnte sich der nationaler Markt fast vollständig ausbilden.