Opportunismus

Opportunismus — prinzipienloses Verhal­ten, Preisgabe von Grundsätzen zugunsten ge­legentlicher Augenblickserfolge; i.e. S. Erschei­nungsform kleinbürgerlicher Ideologie und Praxis in der Arbeiterbewegung, die den Klassenkampf innerhalb der kapitalistischen Gesellschaftsord­nung leugnet und die Arbeiterbewegung nicht als organisierte Klassenbewegung der Arbeiterklasse zur Beseitigung dieser Gesellschaftsordnung auffasst, das Ziel des proletarischen Klassenkampfes, den Sturz des Kapitalismus, die Errichtung der Diktatur des Proletariats, den Aufbau des Sozialis­mus und die Beseitigung aller Klassen ablehnt und statt dessen für die Beibehaltung der kapitalisti­schen Gesellschaftsordnung eintritt, die als höchste und ihrem Wesen nach unveränderliche Ge­sellschaftsordnung betrachtet wird und lediglich einiger Reformen bedürfe. Die empiristische, von der Gesamtheit der gesellschaftlichen Beziehungen und von den objektiven historischen Entwick­lungsgesetzen absehende Haltung des Opportunismus ist Aus­druck des Einflusses der bürgerlichen Ideologie in der Arbeiterbewegung und führte zur Unterord­nung mehr oder weniger großer Teile der Arbeiter­bewegung unter die Klasseninteressen der Bour­geoisie. Die sozialen Wurzeln des Opportunismus liegen in der im Kapitalismus unvermeidlichen Existenz sozia­ler Zwischenschichten. In Teilen dieser Zwischen­schichten entsteht nicht selten das Bestreben nach einer „Erneuerung" der kapitalistischen Gesell­schaft, doch vermögen sich diese Teile nicht zur revolutionären Politik und Disziplin des Klas­senkampfes der Arbeiterklasse, der ihnen als „autoritär" und „doktrinär" erscheint, zu er­heben.