Relativer Mehrwert

Relativer Mehrwert, — Form des Mehrwerts, die die ständige Tendenz des Kapitals zur Steigerung der Produktivkraft der Arbeit und damit zur Stei­gerung des Ausbeutungsgrades bzw. der Mehr­wertproduktion durch Verkürzung der notwendi­gen Arbeitszeit (Arbeit, notwendige) zum Aus­druck bringt. Der relative Mehrwert unterscheidet sich vom absoluten Mehrwert, der die dem Kapital inne­wohnende Tendenz zur Verlängerung des Arbeits­tages und zur Intensivierung der Arbeit zum Aus­druck bringt. Relativer Mehrwert entsteht, wenn die notwendige Arbeitszeit des Arbeiters (notwendig zur Reproduktion des vom Kapital vorgeschossenen Wertes der Ware Arbeitskraft) verkürzt wird. Je kleiner bei gegebenem Arbeitstag die notwendige Arbeitszeit, desto größer die Mehrarbeitszeit (Mehrarbeit), in deren Verlauf der Arbeiter den Mehrwert für den Kapitalisten produziert. Die Verkürzung der notwendigen Arbeitszeit hat zur Voraussetzung, dass der Wert der Ware Arbeits­kraft sinkt, und dies wiederum, dass der Wert der notwendigen (der in die Reproduktion der Arbeits­kraft eingehenden) Lebensmittel sinkt. Zur Pro­duktion von relativem Mehrwert ist also die Steigerung der Pro­duktivität und damit die Senkung des Wertes in der Konsumgüterindustrie notwendig. Eine Steigerung der Produktivität in der Produktionsmittelindustrie wirkt sich nur indirekt auf die Produktion von relativem Mehrwert aus. Die Produktion von relativer Mehrwert wird dann zur Hauptmethode der Mehrwertproduktion, wenn der Arbeitstag bereits maßlos verlängert ist und die Arbeiterklasse Verkürzungen des Arbeitstages durchsetzt (etwa ab Mitte 19. Jh.). Produktion des relativen Mehrwerts ist der dynamische Aspekt im Grundgesetz des Kapitalismus, durch den sich dieser von allen vorhergehenden Produktionsformen unterschei­det.