Analyse der wirtschaftlichen Tätigkeit

Analyse der wirtschaftlichen Tätigkeit — Erfor­schung der Ursachen-Wirkungs-Zusammenhänge und ihrer Gesetzmäßigkeiten im Reproduktionsprozess mit dem Ziel, Erkenntnisse über die Ur­sachen für den Verlauf der wirtschaftlichen Pro­zesse zu gewinnen, die für das bewusste, ziel­gerichtete Handeln der Werktätigen und zur wis­senschaftlichen Fundierung von Leitungsentscheidungen erforderlich sind. Die Analyse der wirtschaftlichen Tätigkeit ist unmittelbarer Bestandteil und Funktion der Leitung. Sie schafft wesentliche Voraussetzungen für die Begründung von Planzielen und eine umfassende, auf die Planerfüllung und Nutzung aller Leistungs- und Effektivitätsreserven durch sozialistische Intensivierung zur Lösung der Hauptaufgabe in ihrer Ein­heit von Wirtschafts- und Sozialpolitik gerichtete Beeinflussung der wirtschaftlichen Tätigkeit. Die weitere Vervollkommnung der analytischen Arbeit ist eine Bedingung für die immer bessere Bewälti­gung der wachsenden Anforderungen an die Leitung und Planung der Wirtschaft. Sie muss klar und ein­deutig alle Ursachen für Abweichungen vom Plan oder vom Normativ nachweisen und Reserven auf­decken. Die Analyse der wirtschaftlichen Tätigkeit ist noch enger mit der Initiative und Schöpferkraft der Werktätigen zu verbinden; das bedeutet einerseits, die Erfahrungen der Werk­tätigen über den Reproduktionsprozess noch stär­ker für die Gewinnung von Erkenntnissen über Ursachen-Wirkungs-Zusammenhänge zu nutzen (Notizen zum Plan, Initiativschichten, Wett­bewerb, sozialistischer) und andererseits, ihnen die Ergebnisse der analytischen Arbeit in geeigne­ter Form zur Kenntnis zu bringen und zur Grund­lage ihres Handelns zu machen (Haushaltsbuch, Produktionspropaganda). Die Analyse der wirtschaftlichen Tätigkeit muss stärker auf die Begründung der Pläne und auf die vor­ausschauende Untersuchung langfristig wirkender Zusammenhänge orientiert werden, ohne dass die Analyse der Abweichungen von gegebenen Vor­gaben (z. B. als ein Soll-Ist-Vergleich) als Grund­lage von operativen Entscheidungen vernachläs­sigt wird. Die Analyse der wirtschaftlichen Tätigkeit muss konsequent nutzensorientiert erfolgen, wobei der gesellschaftliche Nutzen auch für die Betriebe und Kombinate das entscheidende Krite­rium darstellt. Die Analyse der wirtschaftlichen Tätigkeit muss dem komplexen Cha­rakter der gesellschaftlichen und ökonomischen Entwicklung gerecht werden; bei der für die ra­tionelle Gewinnung von Erkenntnissen notwendi­gen Herauslösung von Teilprozessen aus dem Gesamtzusammenhang muss die Wiedereinordnung in den Gesamtzusammenhang gesichert bleiben. Die für die Analyse der wirtschaftlichen Tätigkeit aufgewandte Arbeit muss einen höchstmöglichen Nutzen bringen; das verlangt einerseits die konsequente Zielbezogenheit der Analyse der wirtschaftlichen Tätigkeit auf die Erfordernisse der zu fundierenden Ent­scheidungen und andererseits die weitgehende Anwendung mathematisch-statistischer Verfahren und der EDV bei der analytischen Arbeit. Für Analyse der wirtschaftlichen Tätigkeit zur Fundierung periodisch wiederholter Entschei­dungen sind nach dem Baukastenprinzip stan­dardisierte Analyse anzuwenden. Die Analyse der wirtschaftlichen Tätigkeit gewinnt ihre Erkenntnisse durch das ziel­gerichtete Zerlegen der Wirkungsgrößen in ihre Ursachen, wobei das Ursachenfeld durch ständi­ges Vergleichen, Isolieren und Kombinieren sy­stematisch eingeengt wird. Sie erfolgt sowohl zahlenmäßig, u. a. auf der Grundlage der Daten von Rechnungsführung und Statistik sowie ent­sprechenden Vergleichsdaten (Plandaten, Best­werte, Normative usw.) unter weitgehender An­wendung mathematisch-statistischer Verfahren, als auch verbal, z. B. mit Hilfe soziologischer Methoden. Ausgangspunkt für eine Analyse der wirtschaftlichen Tätigkeit ist die Notwendigkeit, eine bestimmte Entscheidung zu treffen. Dabei führen sich ständig wiederholende Entscheidungen zu periodischen oder Komplex­analysen, für die Standardanalysen ausgearbeitet werden, während einmalige Entscheidungen ent­sprechende Problem- oder Prozessanalysen erfor­dern. Bei der Durchführung einer Analyse der wirtschaftlichen Tätigkeit lassen sich folgende Arbeitsstufen unterscheiden: a) die Vorbereitung, b) die Ursachenforschung, c) die Synthese und d) die Auswertung. Zur Vorbereitung gehört die theo­retische Vorbereitung, in der, ausgehend von den Anforderungen der zu begründenden Entschei­dung, das Programm der Analyse der wirtschaftlichen Tätigkeit zu erarbeiten ist, die ideologisch-erzieherische Vorbereitung, die . die bewusste Mitwirkung der Werktätigen sichert, und die organisatorische Vorbereitung, die durch die Bereitstellung und Aufbereitung des Materials eine rationelle Durchführung gewährleistet. Die Ur­sachenforschung engt das Ursachenfeld mittels Zerlegen, Isolieren und Kombinieren ein, bis die Ursachen ermittelt sind, an die die Entscheidung anknüpfen muss, und ermittelt mit Hilfe des Ver­gleichs die Wirkungsrichtung und -intensität der Ursachen. Die Synthese sichert die Einordnung der Einzelerkenntnisse aus der Ursachenforschung in den Gesamtzusammenhang der wirtschaftlichen Tätigkeit des Leitungsbereichs. Die Auswertung ist mit der Umsetzung der Erkenntnisse in Ent­scheidungen identisch. Je nach der benötigten Aussage werden bei der Analyse der wirtschaftlichen Tätigkeit Planvergleiche, Soll-Ist Vergleiche, Zeitvergleiche, Ortsvergleiche und Weltstandsvergleiche durchgeführt. Beim Plan­vergleich (Plan-Ist-Vergleich) ist der Plan der Maßstab zur Beurteilung der zu untersuchenden ökonomischen Prozesse und Tatbestände; seine bes. Aussage liegt in der Einordnung der Betriebe, Kombinate usw. in die planmäßige Entwicklung der Volkswirtschaft. Der Zeitvergleich erlaubt eine Einschätzung der dynamischen Entwicklung. Beim Ortsvergleich werden die erreichten oder be­absichtigten Ergebnisse der wirtschaftlichen Tätig­keit an denen der fortgeschrittensten Betriebe, innerbetrieblichen Einheiten, Wirtschaftszweige oder Erzeugnisse gemessen. Der Weltstands- Vergleich konfrontiert die Volkswirtschaft  und die sozialistischen Betriebe und Kom­binate mit den Tendenzen der internationalen Entwicklung; er setzt Maßstäbe für die technisch- ökonomische Entwicklung. Zur Sicherung der Aussage des Vergleichs ist die Vergleichbarkeit erforderlich. Dabei kommt es darauf an, solche Faktoren weitgehend auszuschalten, die die ziel­gerichtete Aussage des Vergleichs verzerren. Die Analyse der wirtschaftlichen Tätigkeit tritt in der Praxis in einer Vielzahl konkreter Untersuchungen auf, die sich entsprechend den Erfordernissen der zu begründenden Leitungs­entscheidungen voneinander unterscheiden. Sie lassen sich gruppieren: a) nach dem Analyseobjekt (Ergebnis- bzw. Gewinn- und Rentabilitätsanaly­sen, Bestandsanalysen, Kostenanalysen usw.), b) nach den als Ausgangspunkt dienenden Unterlagen (Bilanzanalysen, Berichtsanalysen usw.), c) nach dem in die Untersuchung ein­bezogenen Zeitraum (Jahresanalysen, Quartals­analysen usw.), d) nach dem Grad ihrer Komple­xität (Komplexanalysen, Problemanalysen usw.).