Abendoberschule: historische Schulform und Bildungsweg in der DDR

Historische Einordnung: Der Begriff „Abendoberschule“ wird im Ausgangstext im Bildungssystem der DDR verwendet. Er beschreibt eine allgemeinbildende Schulform für Werktätige, die neben ihrer beruflichen Tätigkeit ein Bildungsniveau bis zur 10. beziehungsweise 12. Klasse erwerben konnten. Begriffe wie „Werktätige“, „polytechnische Oberschule“ und „erweiterte Oberschule“ gehören zu diesem historischen Bildungssystem.

Bildung neben der Berufstätigkeit

Das zentrale Merkmal der Abendoberschule war die Verbindung von Arbeit und schulischer Weiterbildung. Die Teilnehmer mussten ihre berufliche Tätigkeit nicht vollständig unterbrechen, sondern besuchten den Unterricht überwiegend außerhalb der üblichen Arbeitszeit. Daraus erklärt sich die Bezeichnung „Abendoberschule“.

Solche Bildungswege erfüllten eine wichtige Funktion für Menschen, die einen bestimmten Schulabschluss nicht im regulären schulischen Verlauf erworben hatten oder ihre Allgemeinbildung später erweitern wollten. Der Unterricht musste dabei mit beruflichen und persönlichen Verpflichtungen vereinbart werden, was andere organisatorische Bedingungen erforderte als bei einer Tagesschule.

Bezug zur polytechnischen Oberschule

Der historische Eintrag nennt das Bildungsniveau der 10. beziehungsweise 12. Klasse der allgemeinbildenden polytechnischen und erweiterten Oberschule. Die zehnklassige polytechnische Oberschule war ein zentraler Bestandteil des DDR-Schulsystems. Die erweiterte Oberschule führte darüber hinaus zum höheren schulischen Abschluss.

Die Abendoberschule ist deshalb nur aus der damaligen Schulstruktur heraus richtig zu verstehen. Eine direkte Gleichsetzung mit einer heutigen Schulart wäre ungenau, weil Organisation, Abschlusswege, Lehrpläne und rechtliche Rahmenbedingungen nicht identisch sind.

Organisatorische Verbindung zur Volkshochschule

Nach dem Ausgangstext war die Abendoberschule organisatorischer Bestandteil der Volkshochschule. Dadurch wurde schulische Allgemeinbildung mit der Erwachsenenbildung verbunden. Die Volkshochschule fungierte in diesem Zusammenhang nicht nur als Anbieter einzelner Weiterbildungskurse, sondern als organisatorischer Rahmen für einen strukturierten Bildungsweg.

Zielgruppe: Werktätige

Die Bezeichnung „Werktätige“ ist typisch für die Sprache der DDR und bezeichnete berufstätige Menschen in einem breiten gesellschaftlichen Sinn. Für die Abendoberschule war entscheidend, dass der Bildungsweg parallel zur Berufstätigkeit möglich sein sollte. Daraus ergaben sich Abendunterricht und eine auf Erwachsene beziehungsweise Berufstätige ausgerichtete Organisation.

Bedeutung für historische Dokumente

Der Begriff kann heute in Zeugnissen, Lebensläufen, Personalunterlagen oder historischen Rechts- und Verwaltungstexten auftauchen. Für deren Interpretation ist es hilfreich, die Abendoberschule nicht nur wörtlich als „Schule am Abend“ zu lesen. Sie war Teil eines bestimmten staatlichen Bildungssystems und hatte darin eine definierte Funktion beim nachträglichen beziehungsweise berufsbegleitenden Erwerb allgemeiner Bildung.

Bei Fragen zur heutigen Anerkennung eines damals erworbenen Abschlusses reicht die historische Begriffserklärung allerdings nicht aus. Dafür sind die konkreten Zeugnisse, Abschlussbezeichnungen und die aktuell zuständigen Anerkennungsstellen maßgeblich. Der Lexikoneintrag dokumentiert vor allem, wie die Schulform in ihrem damaligen institutionellen Zusammenhang beschrieben wurde.

Abendoberschule - allgemein bildende Schule für Werktätige zum Erwerb des Bildungsniveaus bis zur 10. bzw. 12. Klasse der allgemein bildenden polytechnischen und erweiterten Oberschule ohne Unterbrechung der beruflichen Tätigkeit: deshalb meist Unterricht in den Abendstunden. Die Abendoberschule ist organisatorischer Bestandteil der Volkshochschule. Oberschule, zehnklassige allgemein- bildende polytechnische.