Absatz- und Bezugsorganisation im historischen Außenhandel
Historische Einordnung: Die „äußere Absatz- und Bezugsorganisation“ (äABO) ist ein Begriff aus dem DDR-Außenhandel. Der Text beschreibt die Gesamtheit der im Ausland für Exporteure oder Importeure tätigen Organe und deren Zusammenwirken. Begriffe wie Außenhandelsmonopol, sozialistische Märkte und nichtsozialistische Märkte gehören eindeutig zum damaligen Wirtschaftssystem.
Die Organisation verlängert nach der Quelle den Absatz- beziehungsweise Bezugsweg über die Landesgrenzen hinaus. Beim Export reicht der Weg bis zum ausländischen Verbraucher, beim Import bis zum Hersteller oder Lieferanten im Ausland.
Der Außenhandelsbetrieb kann hierzu eigene oder fremde Organe einschalten. Die Quelle betrachtet Absatz und Bezug deshalb nicht als Tätigkeit eines einzelnen Unternehmens, sondern als arbeitsteiliges System verschiedener Stellen.
Als Grundlage nennt der Text Spezialisierung und Kooperation zwischen Handel und Industrie sowie innerhalb des Handels. Bestimmte Aufgaben werden auf unterschiedliche Organe verteilt, damit Export und Import rationell organisiert werden können.
Ein wesentlicher Einflussfaktor ist nach der Quelle der wissenschaftlich-technische Fortschritt. Komplexere Erzeugnisse benötigen mehr Erklärung und Kundendienst. Dadurch steigen die Anforderungen an Vertriebs- und Serviceorganisationen auf Auslandsmärkten.
Auch die zunehmende Arbeitsteilung der Produktion und die Differenzierung der Bedürfnisse von Anwendern und Verbrauchern werden als Gründe für eine entwickelte Absatz- und Bezugsorganisation genannt.
Die konkrete Ausgestaltung soll sich nach den Besonderheiten der Auslandsmärkte und der gehandelten Waren richten. Deshalb können verschiedene Organe auf unterschiedliche Weise miteinander verknüpft werden.
Der historische Text unterscheidet zwischen sozialistischen und nichtsozialistischen Märkten. Diese politische Marktklassifikation ist zeitgebunden und sollte bei heutiger Verwendung nicht übernommen werden.
Der sachliche Kern der Definition liegt in der Organisation grenzüberschreitender Vertriebs- und Beschaffungswege. Für historische Außenhandelsunterlagen erklärt der Begriff, wie verschiedene Auslandsorgane in Export und Import zusammenwirkten.
Die Seite ist damit vor allem wirtschaftshistorisch relevant. Moderne internationale Vertriebsnetze können funktionale Ähnlichkeiten besitzen, werden aber unter anderen rechtlichen und institutionellen Bedingungen organisiert.
Absatzorganisation und Bezugsorganisation, äußere, Abk. äABO - Gesamtheit der im Auftrag der Exporteure oder Importeure im Ausland tätigen Organe und ihr Zusammenwirken bei der rationellen Gestaltung der Absatz- und Bezugsprozesse auf den sozialistischen und nichtsozialistischen Märkten. Die äABO im Außenhandel setzt den Absatz- und Bezugsweg über die Landesgrenzen hinweg bis zum Verbraucher bzw. Hersteller fort, indem der Außenhandelsbetrieb auf der Grundlage des Außenhandelsmonopols im Rahmen der Außenhandelsorganisation verschiedene eigene oder fremde Organe für den Export bzw. Import auf den äußeren Märkten einschaltet. Die hABO entwickelt sich auf der Basis der Arbeitsteilung (Spezialisierung und Kooperation) zwischen Handel und Industrie sowie im Handel. Vor allem die Auswirkungen des wissenschaftlich-technischen Fortschritts auf die Warenstruktur (gesteigerte Erklärungs- und Kundendienstbedürftigkeit der Erzeugnisse), die zunehmende Arbeitsteilung in der Produktion sowie die Differenzierung in den Bedürfnissen der Anwender und Verbraucher machen die äABO erforderlich. Dabei haben sich auf Grund der spezifischen Belange und Gegebenheiten der Auslandsmärkte - differenziert nach sozialistischen und nichtsozialistischen Märkten - und im Ergebnis von Warenbesonderheiten vielfältige Organe auf den Außenmärkten herausgebildet, die im Rahmen der äABO auf verschiedene Weise miteinander verknüpft werden können, um den Absatz bzw. Bezug rationell und effektiv auch im Ausland zu organisieren. Hierfür bestehen auf den sozialistischen Märkten durch die Existenz zentraler Außenhandelsorgane, großer Industrie-, Groß- und Einzelhandelsbetriebe sowie durch die Planmäßigkeit und Langfristigkeit des Warenaustausches sehr gute Möglichkeiten. Demgegenüber müssen in die äABO auf den nichtsozialistischen Märkten auch Organisationsformen des industriellen und Handelskapitals einbezogen werden. Mit Hilfe der äABO muss eine Vielzahl von Kunden erfasst und den Unsicherheiten des kapitalistischen Handels begegnet werden. Daher gewinnen die eigenen Formen der hABO (z. B. Technisch-kommerzielle Büros, Bevollmächtigter des Generaldirektors, Marktbearbeitungsgruppe) gegenüber den fremden Organen (z. B. Handelsvertreter) an Bedeutung. Gemeinsame Organe der äABO bestehen in Form gemischter Handelsgesellschaften. Das zweckmäßige Zusammenwirken aller dieser Organe wird unter der Leitung des Außenhandelsbetriebes organisiert. Die äABO ist für die Außenhandelsbetriebe ein wichtiges Instrument zur Erfüllung der Export- und Importpläne sowie für die aktive Einflussnahme auf die Tätigkeit der Industriebetriebe und Kombinate im Inland.
Die äußere Organisation ist nach der Quelle nicht auf den reinen Verkauf beschränkt. Beim Import erfüllt sie spiegelbildlich eine Bezugsfunktion. Absatz und Beschaffung werden deshalb unter einem gemeinsamen organisatorischen Begriff zusammengefasst.
Eigene Organe können unmittelbarer gesteuert werden, während fremde Organe bereits bestehende Marktkenntnisse oder Strukturen nutzen können. Der Ausgangstext nennt diese Alternativen, ohne eine allgemeine Präferenz zu formulieren.
Die Warenbesonderheiten beeinflussen den Aufbau des Systems. Erklärungsbedürftige technische Erzeugnisse benötigen nach der Quelle beispielsweise stärkeren Kundendienst und fachliche Betreuung als einfachere Produkte. Dadurch kann sich die Auswahl der Absatzorgane ändern.
Auch die Besonderheiten einzelner Auslandsmärkte spielen eine Rolle. Unterschiedliche Marktbedingungen machen nach der Darstellung flexible Verknüpfungen der beteiligten Organe erforderlich.
Der Begriff „rationell und effektiv“ zeigt den Planungsanspruch des damaligen Systems. Die äußere Absatz- und Bezugsorganisation sollte nicht nur vorhanden sein, sondern so gestaltet werden, dass Warenwege und Betreuung mit möglichst günstiger Organisation funktionieren.
Als historische Kategorie erklärt die äABO damit die institutionelle Seite des DDR-Außenhandels: Wer übernimmt im Ausland welche Vertriebs- oder Beschaffungsfunktion, und wie werden diese Stellen miteinander verbunden?