Aufgabe der Betrieblichen Sozialberatung ist in erster Linie die psychosoziale Beratung der Beschäftigten

3.3.1. Betriebliche Gesundheitsförderung und Sozialberatung

Wie aus dem Namen bereits hervorgeht, bezieht sich diese Gesundheitsförderung und Sozialberatung auf den betrieblichen Kontext.

Die Betriebliche Gesundheitsförderung beinhaltet u. a. Maßnahmen von der körperlichen Fitness der Mitarbeiter bis hin zu Gesprächskreisen, so genannte Gesundheitszirkeln, in denen die Mitarbeiter unabhängig von ihrer hierarchischen Position Verbesserungsvorschläge, die ihre Gesundheit und/oder ihr Wohlbefinden betreffen, äußern und diskutieren können.

Aufgabe der Betrieblichen Sozialberatung ist in erster Linie die psychosoziale Beratung der Beschäftigten. Dazu gehört die Sucht- und Familienberatung ebenso wie die Schuldnerberatung und die Beratung bei innerbetrieblichen Konflikten.

In Bremen existieren zwei unterschiedliche Modelle, mit denen die Betriebliche Gesundheitsförderung und Sozialberatung erfolgreich umgesetzt wird.

Das eine Modell wird von einer Unternehmensberatung, die sich auf die Betriebliche Gesundheitsförderung spezialisiert hat, der verwirklicht. Die Sozialberatung ist ein Bestandteil der Betrieblichen Gesundheitsförderung. Das stellt auf der Grundlage eines Kooperationsvertrages dem Unternehmen eine Fachkraft zur Umsetzung des Konzeptes zur Verfügung. Dem jeweiligen Unternehmen als Kunden werden Beratung und Umsetzungskompetenz zur Verfügung gestellt, so dass vom Unternehmen kein zusätzliches Personal eingestellt werden muss. Maßnahmen zur Umsetzung des Konzeptes sind:

· Einrichtung einer Sozialberatung und eines Arbeitskreises Gesundheit,

· Psychosoziale Beratung für die Beschäftigten,

· Erfassung statistischer Daten über die Arbeitssituation/Krankenstand,

· Einrichtung von Gesundheitszirkeln oder Arbeitsgruppen; ggf. Mitarbeiterbefragung,

· Seminarveranstaltungen,

· Praxisberatung vor Ort.

Die besondere Kompetenz des liegt im Rahmen der Betrieblichen Gesundheitsförderung, so der Geschäftsführer, in der Verknüpfung von Personal- und Organisationsentwicklung mit psychosozialer Beratung.

Bei dem anderen Modell ist die Betriebliche Sozialberatung als eigenständige Abteilung in das Unternehmen integriert. Zu finden ist dieses Modell bei

Die Aufgaben der Betrieblichen Sozialberatung bei sind:

· Psychosoziale Beratung,

· Coaching und Training von Führungskräften von Führungskräften in psychosozialen Themenstellungen,

· Konzeptentwicklungen im Bereich Gesundheitsförderung, Prävention und psychosozialen Fragen,

· Durchführung von Gesundheitsförderungsmaßnahmen, Seminaren, Trainings,

· Arbeit in internen und externen Netzwerken.

Die Schwerpunkte der Arbeit liegen in der psychosozialen Beratung. Ein Beispiel ist die Beratung bei innerbetrieblichen Konflikten.

Der Vorteil einer internen Betrieblichen Sozialberatung besteht, nach Auffassung eines Mitarbeiters der Betrieblichen Sozialberatung bei in der Chance, auf interne Entscheidungen besser Einfluss nehmen zu können. Aufgrund langjähriger Verankerung im Betrieb können ggf. auch Konflikte in der Konzeptdiskussion oder Fallbearbeitung konstruktiv gelöst werden.

Für die Zukunft sieht der Geschäftsführer von einen großen und wachsenden Markt für die Betriebliche Gesundheitsförderung. Die Mitarbeiter müssen heute mit permanenten Veränderungsprozessen zurecht kommen. Zukünftig werden sich die Veränderungsprozesse noch beschleunigen, was dazu führt, dass die Belastungen für den einzelnen Mitarbeiter weiter steigen werden. Um die Leistungsfähigkeit und das Engagement der Mitarbeiter zu erhalten, werden Unternehmen verstärkt auf die Betriebliche Sozialberatung zurückgreifen. Der Umgang mit den ständigen Veränderungen wird für die Mitarbeiter durch die Betriebliche Sozialberatung erleichtert und damit die Belastungen für den Einzelnen minimiert.

Die Arbeitskraft, incl. dem dazugehörigen Know-how, als eine der zukünftig wichtigsten betriebswirtschaftlichen Größen bleibt erhalten.

Aus diesen Gründen könnte die Betriebliche Sozialberatung für die Initiative Förderung der Gesundheitswirtschaft von Bedeutung sein.

In Bremerhaven ist das Unternehmen aus der Fitness-Branche (nähere Informationen unter Punkt 3.3.2.) in der Betrieblichen Gesundheitsförderung aktiv. bietet Betrieben Fitnesskurse für die Mitarbeiter an. Dem liegt ein Firmenfitnesskonzept zugrunde, das eine Befragung innerhalb des Mitarbeiterteams vorsieht. Auf Basis der Befragungsergebnisse wird ein auf den Betrieb abgestimmtes Angebot entwickelt. Diesen Geschäftsbereich möchte in der Zukunft ausbauen, da dort ein großes Potenzial gesehen wird.

Auf der wissenschaftlichen Seite ist das IPG Institut für Psychologie der Arbeit, Arbeitslosigkeit und Gesundheit auf diesem Gebiet tätig. Die Betriebliche Gesundheitsförderung stellt einen Schwerpunkt des IPG dar. Vom IPG werden erfolgreich Gesundheitszirkel initiiert und begleitet.

Gerade in der Betrieblichen Gesundheitsförderung sieht das IPG zentrale Veränderungen für die nächsten Jahre. Insbesondere die Einbeziehung von Zeiten der Arbeitslosigkeit in die Betriebliche Gesundheitsförderung könnte zukünftige Entwicklungsperspektiven aufzeigen. Phasen der Arbeitslosigkeit können sich negativ auf den Gesundheitszustand eines Menschen auswirken. Da Arbeitslosigkeit in den individuellen Biographien kaum noch zu vermeiden sein wird, sollten diese Phasen als berufliche Übergänge neu definiert werden. Bereits in Zeiten der Beschäftigung sollten den Mitarbeitern Strategien zum Umgang mit Arbeitslosigkeit vermittelt werden. Auf diese Art und Weise kann ein schnellerer Übergang in eine neue Beschäftigung ermöglicht und die gesundheitlichen Beeinträchtigungen, die aus einer Arbeitslosigkeit resultieren können, minimiert werden.

Auch die Bremer Krankenkassen sind auf dem Gebiet der Betrieblichen Gesundheitsförderung aktiv.

Prävention für ältere Menschen

Der Anteil älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung nimmt stetig zu. Darüber hinaus verfügen ältere Menschen über eine nicht zu unterschätzende Kaufkraft.

Die Bereitschaft, gerade auch für die Gesundheit zu investieren, hat in den letzten Jahren immer mehr zugenommen und wird auch, so Expertenmeinungen, weiterhin steigen. Das Angebot für ältere Menschen ist derzeit jedoch noch sehr begrenzt. Deshalb werden diesem Markt große Wachstumspotenziale vorausgesagt.

Die Zielgruppe der älteren Menschen erfordert ein spezielles Angebot und gezielt eingesetzte Marketingaktivitäten. So eröffnen z. B. Präventionsangebote für ältere Menschen einen neuen Markt für Dienstleistungen.

Nach Auffassung des IAP wird sich vor allem für die Pflegeberufe ein neues Tätigkeitsfeld ergeben. Beratung, Prävention und Gesundheitsförderung werden bei den Pflegeberufe in der Zukunft an Bedeutung gewinnen. Daraus lassen sich neue Dienstleistungen entwickeln, die von den Kunden selbst bezahlt werden. Darin eingeschlossen ist der Wellnessbereich. Die Pflege kann ihre Kompetenz in diesem Zusammenhang gut einbringen und entsprechende Dienstleistungen vermarkten.

Erste Angebote, die in diese Richtung gehen, sind in Bremen vorhanden. So wird in der ersten Hälfte des Jahres 2001 eine Existenzgründung aus der Bremer Heimstiftung zusammen mit dem Paritätischen Wohlfahrtsverband hervorgehen, die ein Angebot an gesundheitsfördernden Dienstleistungen für ältere Menschen anbieten wird. Zunächst wird im Bereich Fitness/Wellness ein Angebot für Menschen ab 60 Jahren eingeführt. Dieses Angebot richtet sich an Selbstzahler aus den Einrichtungen der Bremer Heimstiftung sowie von außerhalb. Ein solches Angebot muss besonderen Ansprüchen genügen. Spezielle Trainingsbedürfnisse müssen berücksichtigt werden. Die Sport- und Trainingsgeräte müssen auf ältere Menschen ausgerichtet sein. Ein hoher physiotherapeutischer Anteil ist notwendig.

Ein ähnliches Angebot wird von einer Tochtergesellschaft der Sporthep der Gesellschaft für postkurative Prävention vorgehalten. Zielgruppe sind hier ebenfalls u. a. ältere Menschen, denen eine fachgerechte Betreuung im Fitness-Bereich angeboten wird. Die Kunden sind auch hier Selbstzahler.

Das Unternehmen in Bremerhaven hat seinen Geschäftsbereich ebenfalls im Wellness-Sektor. Die Unternehmensstrategie basiert auf einer gesundheitsorientierten Ausrichtung der Dienstleistung. Umgesetzt wird diese Unternehmensstrategie durch die Kooperation mit zwei Orthopäden, die eine Sprechstunde im Studio zu trainingsbedingten Problemen anbieten, durch die Ausstattung mit sportmedizinischen Trainingsgeräten, das Angebot von Gesundheitskursen, die Beschäftigung von Physiotherapeuten sowie der Initiierung von postoperativen Therapiezirkeln. Mit einem Durchschnittsalter der Kunden von über 40 Jahren spricht auch dieser Anbieter im Wellness- und Fitnessbereich eher ältere Menschen an.

Im Allgemeinen ist ein Trend zur Physiotherapie festzustellen. Zusätzliche Angebote von Physiotherapeuten könnten Rückenschulen, Entspannungskurse und Fußpflege sein. Zu beobachten ist dabei ebenfalls eine zunehmende Spezialisierung auf die Geriatrie oder Pädiatrie.

Zur Prävention für ältere Menschen gehört weiterhin der Einsatz technischer Hilfsmittel. Angesprochen wird damit der Bereich des Homemonitoring/Homecare. Von Experten wird hier ein großer Markt gesehen. Bremen verfügt über einige Potenziale, die diese Entwicklung unterstützen könnten.

Zunächst ist an dieser Stelle das IMSAS zu nennen. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung intelligenter Systeme zur Überwachung von speziellen Körperfunktionen, wie z. B. Herz- und/oder Pulsschlag. Damit wird eine permanente Kontrolle der körperlichen Funktionen möglich. Der Patient bzw. Kunde muss nicht mehr tagelang zur Beobachtung in eine stationäre Einrichtung. Vielmehr können die gewünschten Körperfunktionen in der gewohnten Umgebung und unter alltäglichen Umständen erfasst werden. Auf diese Art und Weise bleibt die Bewegungsfreiheit so lange wie möglich erhalten. Außerdem wird die Datenqualität verbessert, da sie unter realistischen Gegebenheiten erhoben werden kann. Eine hohe Lebensqualität und Mobilität wird gewährleistet. Darüber hinaus ist ein qualitativ hochwertiges Notfallmanagement realisierbar. Vorstellbar ist sogar eine Integration der Mikrosysteme in die Kleidung (Intelligente Kleidung). Hier wäre eine Kooperation mit der Bekleidungsindustrie anzustreben. Auf dem Gebiet der Intelligenten Kleidung, das eine Schnittstelle zwischen Mikrosensoren und Informatik darstellt, ist auch das TZI aktiv.

Neben diesem wissenschaftlichen Know-how ist in Bremen ein Unternehmen auf dem Gebiet der Hilfsmittelversorgung tätig. Das Tätigkeitsfeld der IGEL Elektronische Kommunikationshilfen ist die Versorgung behinderter Menschen mit elektronischen Geräten. Zu den Produkten gehören Kommunikationsgeräte, PC-Adaptionen, die den Zugang zum PC für diese Menschen erleichtern (angepasste Tastatur, Maus), und Geräte zur Umfeldsteuerung. Letzteres ist im Kontext der Prävention für ältere Menschen interessant. Die Geräte zur Umfeldsteuerung wurden vor allem für ältere Menschen mit Einschränkungen entwickelt. Sie ermöglichen dem Anwender, sich in seiner gewohnten Umgebung selbständig zu bewegen. Die Handhabung alltäglicher Geräte, wie z. B. Fernseher, Radio, Licht, wird durch die Umfeldsteuerungstools erleichtert.

Die Kompetenz von IGEL liegt, nach Aussagen des Geschäftsführers, in der breiten Marktübersicht und in der Beratungsleistung. Die Marktübersicht bezieht sich auf die auf dem internationalen Markt vorhandenen Geräte und ist die Grundlage für eine gute Beratungsleistung. Viel Wert legt IGEL auf eine kompetente Beratung der Kunden bzw. Nutzer der Geräte. Kunden sind Krankenkassen ebenso wie Endkunden und z. B. Selbsthilfegruppen. Die Beratung schließt die Erläuterung des technischen Umgangs mit den Geräten ein. Die Beratung ist eng an den Bedürfnissen des Kunden bzw. Nutzers ausgerichtet. So stellt IGEL die Brauchbarkeit und den Einsatz der verkauften Geräte sicher.

In Zusammenhang mit dem Thema Homemonitoring/Homecare ist weiterhin der Hausnotruf des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) zu erwähnen. Gemeinsam mit der Arbeiterwohlfahrt (AWO) hat der ASB die Service Call Bremen gegründet.