Inklusion

7. Sitzung (öffentlich) kle ten. Sie haben uns angerufen und gesagt: Jetzt haben wir einmal etwas in der Hand; nun können wir in den Garten gehen und da auch etwas tun.

Auch bei den Lehrkräften in den Grundschulen sind die von uns beigefügten Blätter mit Spiel- und Übungsformen sehr positiv angekommen. In Bottrop haben wir ebenfalls die Problematik, dass an den Grundschulen nicht nur ausgebildete Sportlehrer tätig sind. Für sie ist dies eine erste Hilfestellung. Natürlich versuchen wir, das noch durch weitere Maßnahmen ­ Lehrerfortbildung, Qualifizierung usw. ­ zu flankieren.

Im Übrigen hoffen wir, dass wir bald auch bei den Erzieherinnen und Erziehern tätig werden können, um sie entsprechend zu qualifizieren.

Frau Paul, Sie haben das Thema „Inklusion" angesprochen. Im Jahr 2010 haben wir ca. 1.000 Zweitklässler getestet und dann den Lehrkräften an den Grundschulen entsprechende Maßnahmen angeboten. Es dauerte nicht lange, bis sich die Förderschulen bei uns meldeten und nachfragten: Was ist denn eigentlich mit uns? ­ Daraufhin haben wir Rücksprache mit der Universität Duisburg-Essen gehalten, die uns in der Frage beraten hat, ob eine solche Testung auch an den Förderschulen möglich ist. Natürlich war das möglich. Im Jahr 2011 haben wir in Bottrop dann auch die Förderschüler getestet. Dort kam die Testung sehr gut an. Sie verlief völlig unproblematisch. Auch vonseiten der Förderschulen gab es viele positive Rückmeldungen.

In diesem Zusammenhang ist es wichtig, noch einmal darauf hinzuweisen, dass wir versuchen, sowohl den kompensatorischen Bereich als auch den talentorientierten Bereich anzusprechen, und dass unsere Maßnahmen praktisch jede Schülerin und jeden Schüler individuell fördern.

Heiner Kockelke (Stadtsportverband Schwerte): Wir haben uns als Stadtsportverband im Jahr 2007 die Aufgabe gestellt, in Schwerte eine Vielseitigkeitssichtung durchzuführen. Das haben wir zusammen mit dem Friedrich-Bährens-Gymnasium gemacht, mit dem wir in den letzten Jahren auch gut zusammengearbeitet haben.

Diese Vielseitigkeitssichtung wird von den Schulen positiv angenommen. Wir machen das für alle sieben Grundschulen sowie ­ übrigens schon seit 2008 ­ für die Förderschule in Schwerte.

Am Anfang hatten wir Probleme, überhaupt erst einmal an die Schulen heranzukommen. Die Zusammenarbeit in Schwerte hat sich aber so positiv entwickelt, dass wir in diesem Jahr zum vierten Mal die Vielseitigkeitssichtung für alle Grundschulen durchführen können. Das sind rund 500 Kinder in Schwerte. Sie beteiligen sich zu fast 100 %.

Außerdem hatten wir anfangs Schwierigkeiten mit der Finanzierung. Weil von der Stadt Schwerte aufgrund des Nothaushaltes kein Geld zu erwarten war ­ und auch kein Geld gezahlt worden ist ­, haben wir vom Stadtsportverband die Finanzierung übernommen. Zwei große Sponsoren, nämlich die Sparkasse Schwerte und die Stadtwerke Schwerte, ermöglichen uns das. Sie unterstützen auch unsere Arbeit in Schwerte insgesamt, sodass der Schwerter Sport noch weiterleben kann.

Zu Beginn hatten wir ferner Probleme mit dem Material. Teilweise haben wir es uns in Iserlohn ausgeliehen. Mittlerweile hat Frau Paschke-Sander von Innenministerium

7. Sitzung (öffentlich) kle des Landes uns aber Testsätze zur Verfügung gestellt, die in den Schulen auch zum Üben benutzt werden.

Dietmar Bräunig (Friedrich-Bährens-Gymnasium, Schwerte): Lassen Sie mich die Ausführungen von Herrn Kockelke noch ein wenig ergänzen. ­ Schon seit mehreren Jahren besteht eine Vernetzung mit Iserlohn. In Iserlohn wird bereits seit 2002 ein sportmotorischer Test durchgeführt, und zwar unter drei Gesichtspunkten: erstens, Kinder für den Hochleistungssport zu gewinnen, zweitens, die Bewegungsauffälligen herauszufiltern, und drittens, dem Breitensport zusätzliche Aktive zuzuführen.

Das Netzwerk in der Stadt Schwerte funktioniert wunderbar. Wir vom FriedrichBährens-Gymnasium, die wir schon seit vielen Jahren dem Hochleistungssport verschrieben sind, haben hier eine Tür geöffnet, um dieses Image ein bisschen zu ändern, und haben den Eltern auch bewusst gemacht: Es gibt Fördergruppen in Schwerte, die vom Friedrich-Bährens-Gymnasium unterstützt werden, in denen bewegungsauffällige Kinder entsprechend gefördert werden ­ beispielsweise „schwer mobil".

Das hat einen so großen Anklang gefunden, dass der Kreis Unna bereits auf die Stadt Schwerte zugekommen ist ­ mit dem Ergebnis, dass wir ab dem nächsten Schuljahr diesen Test mithilfe der Berater im Schulsport auf den ganzen Kreis Unna ausweiten werden.

Mir persönlich stellt sich immer noch folgende Frage ­ sie richtet sich auch an die Experten ­: Wie werden die Übungen, die dort verlangt werden, genauestens kontrolliert bzw. überprüft, und wie erfolgt die Auswertung? Beispielsweise haben wir bei dem Test von Herrn Prof. Bös in den ersten zwei Durchgängen große Probleme mit dem Start gehabt. Abhängig davon, ob man fliegend startet oder ob man das nach der alten Turnvater-Jahn-Methode macht, sind die unterschiedlichsten Ergebnisse herausgekommen. Als wir die Werte elektronisch gemessen haben, lagen viele Ergebnisse beim Sprint im Bereich der fünf Punkte. ­ Das ist uns dabei aufgefallen.

An diese Stationen sollte man daher auch nur erwachsene Trainer setzen, die diesen Test genauestens auswerten, und nicht die Sporthelfer, wie wir es in der Anfangsphase gemacht haben. Die Sporthelfer können sicherlich assistierend zur Seite stehen, aber nicht den Test mit bewerten.

Um einen flächendeckenden Test durchzuführen, wie wir es seit vier Jahren machen, ist die Unterstützung der Schulleitung, der Schulrätin, der Stadt Schwerte sowie der heimischen Träger erforderlich.

Lassen Sie mich kurz noch einmal einen Gedankensprung nach Iserlohn machen, wo das Ganze in einem noch viel größeren Rahmen durchgeführt wird. Dort nehmen 23 Schulen daran teil. Dieser Test wäre unmöglich gewesen, wenn die Dezernenten und die Schulräte die Lehrer und die Ehrenamtlichen, die diesen Test durchführen, nicht entsprechend unterstützen würden ­ wobei die Stadt Iserlohn beispielsweise die Busse zur Verfügung stellt und auch finanzielle Unterstützung gewährleistet hat.

7. Sitzung (öffentlich) kle Anette Grunwald (GGS Heinrichstraße, Mülheim an der Ruhr): Ich bedanke mich dafür, dass auch die Vertreterin einer Grundschule hier zu Wort kommen darf, und möchte Ihnen kurz schildern, was wir in Mülheim an der Ruhr getan haben. Wir selber sind eine sehr sportliche Schule. Schon früh haben wir die Bedeutung des Sports erkannt und ihn in unserem Schulprofil ganz stark verankert. Dann haben wir uns für den motorischen Test NRW interessiert und angefangen, ihn einzusetzen.

Von Anfang an haben wir versucht, andere Schulen in Mülheim mit auf die Reise zu nehmen. Von 24 Grundschulen wenden zurzeit fünf ­ einschließlich unserer Schule ­ diesen Test an. Übrigens weiß ich von einer Gesamtschule, die den sportmotorischen Test auch durchführt, um nach Zusammenhängen zwischen sportlicher Leistung und mathematischer Leistungsfähigkeit der Kinder zu forschen. Die Schulen, die den Test anwenden, sind interessiert. Es ist manchmal schwierig, ein Kollegium dahin zu bringen, dem Sport einen solchen Vorrang zu geben ­ obwohl ich sagen muss, dass wir ein Kollegium mit vielen ausgebildeten Sportlehrern, einer durchaus intakten Beratungsfähigkeit sowie einer langjährigen Diagnosefähigkeit haben. Im Übrigen haben wir immer die Klassen 1 und 3 getestet ­ nicht 2 und 4, wie es im vorliegenden Antrag steht und auch häufig erzählt wurde.

Nach drei Jahren hakt es jetzt aber. Auf der Stadtebene geht es nicht weiter, und für unsere Schule geht es auch nicht weiter. Nachdem wir einen Test durchgeführt und eine Diagnose gemacht haben, wollen wir natürlich auch Maßnahmen anbieten; denn das ist der einzige Grund, warum man einen Test durchführt. Da hakt es, weil das für einzelne Schulen ­ oder auch für die fünf Schulen, die in Mülheim testen, zusammen ­ eine viel zu große Aufgabe ist. Von den Praktikern, die vor mir gesprochen haben, haben wir schon ganz viel über Netzwerke gehört. Das ist auch mein Appell im Zusammenhang mit der Überlegung, flächendeckend verpflichtende ­ oder auch freiwillige ­ Tests einzuführen. Man sollte vielleicht nicht mit der Verpflichtung anfangen, den Sporttest durchzuführen, sondern erst ein wenig an den Bedingungen und den Angeboten innerhalb einer Kommune arbeiten. Dann fällt es möglicherweise leicht, einen sanfteren Einstieg über Freiwilligkeit und Ausweitung zu wählen. So kommt man nämlich nicht weiter. ­ Unabhängig davon sind hier zahlreiche gute Beispiele genannt worden, die ich mir alle notiert habe.

Dr. Christoph Niessen (Landessportbund Nordrhein-Westfalen): Erstens. Frau Paul, Sie haben gefragt, warum wir Bedenken gegen die flächendeckende Einführung der Tests hätten. Bedenken haben wir keineswegs. Zu Frage 4 haben wir ausgeführt, dass wir die flächendeckende Einführung unter den bestehenden Bedingungen für unrealistisch halten, weil einfach noch Rahmenbedingungen fehlen. Das ist gerade auch bei der Vorrednerin deutlich geworden. Es fehlen wirklich noch ein paar ordnungspolitische Vorgaben. Zum Beispiel hängt noch sehr viel am Engagement einzelner Personen. Die gesamten Wortbeiträge der Praktiker haben ja gezeigt, dass einzelne Personen am Werk sind, die das Ganze mit hoher Initiative vorwärtstreiben.

Wir äußern also keine Bedenken, sondern stellen lediglich fest, dass die derzeitigen Rahmenbedingungen das noch nicht hergeben.