Börse

Mit dem Thema „Eltern als Berufswahlbegleiter" beschäftigt sich ein Angebotsmodul, das den Schulen für den Bereich Berufsorientierung zur Verfügung gestellt wurde. Im SWA-Projekt „Eltern als Partner der Berufsorientierung an Schulen" wurden Modelle der Kooperation zwischen Eltern und Schule im Rahmen der Berufsorientierung an sieben Hauptschulen zur individuellen Unterstützung eines nachhaltigen Erwerbs von fachlichen, personalen und sozialen Kompetenzen durch die Jugendlichen entwickelt. In dem zwölf Bausteine umfassenden Konzept zur Schule-Eltern-Kooperation werden die unterschiedlichen Lebenslagen von Eltern (z. B. Alleinerziehende, Migrantenfamilien) in zielgruppenspezifischen Modellen berücksichtigt. Lehrkräfte und Eltern werden als „gleichwertige" Partner verstanden. Die an den Schulen entwickelten Kooperationsmodelle sollen in einem zweiten Schritt verstetigt und verbreitet werden.

35. Wie viele Arbeitsweltklassen wurden bis heute angeboten und wie viele Jugendliche werden derzeit in Arbeitsweltklassen unterrichtet (aufgeschlüsselt nach Zahl der Schüler je Standort und Klasse)?

Welche Erfahrungen hat die Landesregierung im Zusammenhang mit der Einrichtung von Arbeitsweltklassen gemacht?

37. Welche zusätzlichen Kosten sind dem Land pro Schülerin und Schüler einer Arbeitsweltklasse entstanden?

In Arbeitsweltklassen werden Hauptschülerinnen und Hauptschüler in einer eigenen Klasse unterrichtet, deren erfolgreicher Hauptschulabschluss aus unterschiedlichen Gründen gefährdet ist (z. B. soziale Probleme, Lernprobleme, Schulmüdigkeit, Perspektivlosigkeit). Sie werden durch eine intensive Betreuung in Zusammenarbeit mit der Jugendhilfe, den Betrieben, den Kammern und der Arbeitsverwaltung neu motiviert und nach Möglichkeit zum Hauptschulabschluss geführt. Insbesondere die in der Stundentafel fest verankerten und kontinuierlich durchgeführten Praxistage in den Betrieben lassen die Schülerinnen und Schüler den Sinn ihrer Anstrengungen erleben und Wertschätzung erfahren.

An 31 Hauptschulen werden ca. 400 Schülerinnen und Schüler in Arbeitsweltklassen durch vernetztes Handeln in den vier Lebenswelten der Schüler (Familie, Schule, Freizeit, Berufswahl) stabilisiert, Perspektiven entwickelt und Integration ermöglicht. Die Schulen erhalten hierfür jeweils 22 Lehrerwochenstunden zusätzlich zugewiesen. Die Pro-Kopf-Kosten werden nicht erhoben.

Die nachfolgenden Zahlen geben den Stand des Schuljahres 2005/2006 wieder. Die aktuellen Zahlen werden zurzeit aufbereitet und liegen noch nicht vor.

Programm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung „Schule-Wirtschaft/Arbeitsleben".

Arbeitsweltklassen mit Praxistagen sind sehr erfolgreich. Sie eröffnen Schülerinnen und Schülern, die sonst ohne Chance wären, wieder eine Berufs- und Lebensperspektive. Im Jahr 2004 erhielt deshalb z. B. die Bännjerrück-Hauptschule in Kaiserslautern den Kinderschutzpreis des Deutschen Kinderschutzbundes.

38. Welche Erfahrungen hat die Landesregierung im Zusammenhang mit dem Projekt „Lernwerkstatt Beruf" gemacht?

Die Lernwerkstatt Berufsorientierung, aktuell eingerichtet an 90 Schulen, dient der besseren Vorbereitung der Jugendlichen auf den Übergang in die Berufs- und Arbeitswelt. Das Angebot richtet sich an Schülerinnen und Schüler aller allgemein bildenden Schulen ab der 7. Klassenstufe. Sie bietet dem Netzwerk Schule-Wirtschaft den zentralen Ort, an dem alle Aktivitäten zur Berufsorientierung im schulischen Raum gebündelt werden können. Die „Lernwerkstatt Beruf" bietet alle Berufsorientierungs-Materialien der Schule, der Arbeitsagentur, Selbstlernmaterialien zur Aufarbeitung schulischer Lücken und zur Berufsvorbereitung sowie Hilfen zur Vorbereitung auf Einstellungstests. Sie organisiert Veranstaltungen mit Partnern aus der Wirtschaft, der Arbeitsagentur, der Kommune, mit Expertinnen und Experten unter den Eltern sowie ehemaligen Schülerinnen und Schülern zu Themen der Berufsorientierung und Berufsvorbereitung. Seit dem Schuljahr 2002 haben mehr als 11 000 Schülerinnen und Schüler ­ vorwiegend von Schulen mit dem Bildungsgang Hauptschule ­ an den Aktivitäten der Lernwerkstätten teilgenommen.

Die Rückmeldungen zur Nutzung der Lernwerkstätten ­ auch unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die Anzahl der Lernwerkstätten in den letzten drei Jahren kontinuierlich gesteigert wurde ­ zeigen den hohen Grad an Akzeptanz dieser Einrichtung bei den Schülerinnen und Schülern und Lehrkräften. Die Lernwerkstätten zeichnen sich durch konzeptionell gut geplante und effektive Arbeit vor Ort aus. Die breite Akzeptanz bei den Schülerinnen und Schülern, ihren Eltern und in der regionalen Wirtschaft trägt mittel- und langfristig zu einer Verbesserung des Berufswahlverhaltens bei. Die mit fast 100 % von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern sehr hoch eingestufte „Verbesserung des Berufswahlverhaltens" beinhaltet langfristig eine Entlastung bei den Folgekosten der Arbeitsagentur für Eingliederungs- oder Qualifikationsmaßnahmen und für die Vermittlung und Betreuung von Arbeitssuchenden. Die Zusammenarbeit zwischen den Lernwerkstätten, der Arbeitsagentur und den regionalen Wirtschaftspartnern hat sich bewährt.

39. Welche zusätzlichen Kosten pro Schülerin und Schüler sind dem Land durch die Einrichtung der „Lernwerkstatt Beruf" an der Hauptschule Rennerod entstanden?

Die Kosten für die Lernwerkstatt an der Hauptschule Rennerod betragen 7 475. Diese Kosten tragen das Land Rheinland-Pfalz mit 5 475 (73 %) und das Landesarbeitsamt mit 2 000 (27 %). Wegen schwankender Teilnehmerzahlen können die Pro-KopfKosten nicht beziffert werden.

40. Wie hoch ist die Vermittlungsquote der regionalen Stellenbörse (Heuss-Adenauer-Hauptschule, Oberwesel) im Bezug auf Ausbildungsplätze (aufgeschlüsselt nach Geschlecht und Branche)?

Die regionale Stellenbörse wird seit etwa zehn Jahren an der Hauptschule Oberwesel im Internet angeboten. Diese Stellenbörse dient den Schülerinnen und Schülern und den Eltern, die einen Praktikums- bzw. Ausbildungsplatz suchen, als Informationsplattform. Die Unternehmen können dort freiwillig ihre Eintragungen machen. Die Stellenbörse führt keine statistischen Erhebungen als Erfolgskontrolle. Freiwilligkeit und Interesse von Schülerinnen und Schülern, Eltern sowie Unternehmern stehen im Vordergrund.

41. Welche Projekte kennt die Landesregierung zur Verbesserung der Berufsorientierung und wie bewertet sie diese?Eltern als Partner der Berufsorientierung an Schulen" ­ SWA-Programm des BMBF 2004 bis 2006.

Die Projekte haben sich in der Praxis bewährt und bilden die Basis bzw. bieten den Rahmen für die nachstehend aufgeführten Module, die den Schulen zur Verfügung stehen. Die Projekte werden an den Schulen nach den regionalen Erfordernissen eingesetzt.

Da es sich um „Vor-Ort-Entscheidungen" handelt, werden Einsatz und Ergebnis statistisch nicht erfasst:

­ Berufsorientierungscamp

­ Berufswahlkompass

­ Lernwerkstatt Berufsorientierung

­ Projektforum Schule-Arbeitswelt

­ Arbeitsweltklassen mit Praxistagen

­ Tagespraktikum für Schülerinnen und Schüler

­ Auszubildende als Experten in die Schule

­ Schüler begleiten Erwachsene an den Arbeitsplatz

­ Schüler begleiten Auszubildende

­ Schülerfirmen (JUNIOR)

­ B.O.S.S. ­ Berufliche Orientierung Schüler als Selbstständige

­ Eltern als Experten in die Schule

­ Betriebserkundungen für Schülerinnen und Schüler

­ Betriebspraktikum für Schülerinnen und Schüler

­ Zusammenarbeit mit berufsbildenden Schulen

­ Zusammenarbeit mit der Berufsberatung

­ Betriebserkundungen für Lehrerinnen und Lehrer

­ Betriebspraktikum für Lehrerinnen und Lehrer

­ Lehrerinnen und Lehrer im Chefsessel

­ Tagespraktikum für Lehrerinnen und Lehrer

­ Schülerinnen und Schüler im Chefsessel

­ Bewerbungstraining

­ Kooperation zwischen Schulen und außerschulischen Partnern

­ Berufsfindungstag/Tag der Betriebe

­ Assessment-Center

­ Schulinterne Fortbildung „Schule und Wirtschaft"

­ Netze knüpfen mit außerschulischen Partnern

­ Schulerkundungen für außerschulische Partner

­ Darstellendes Spiel und Berufsorientierung

­ Girls-Day.

Projekte innerhalb der bestehenden regionalen Netzwerke mit überregionaler Bedeutung:

1. Berufswahl-SIEGEL

Das „Berufswahl-SIEGEL" im bundesweiten Netzwerk gleichen Namens ist in seiner rheinland-pfälzischen Ausprägung bisher auf die Region Südpfalz bezogen. Ziel ist es, die Berufsorientierung auf eine breitere Grundlage zu stellen. Die Bewerbung bietet für die Schulen Anlass,

­ sich mit wesentlichen Faktoren erfolgreicher Berufsorientierung zu befassen;

­ an den Schulen zu einer strukturierten Bestandsaufnahme der Aktivitäten zu führen;

­ sich mit der „Außenansicht" der Jury auseinanderzusetzen;

­ bei Versagen des Siegels durch die Jury sich mit der differenzierten Rückmeldung zu wünschenswerten Veränderungen zu befassen;

­ als zertifizierte Schule durch den schriftlichen Bericht Aufschlüsse über Stärken und Entwicklungspotenziale zu erhalten.

Die erste Runde wurde im Frühjahr 2006 abgeschlossen. Für diese Runde haben sich zwölf Schulen beworben. Acht Schulen wurden aufgrund ihrer schriftlichen Bewerbungen für eine Anhörung vor der Jury ausgewählt, sieben Schulen wurde aufgrund der Anhörungen (getrennte Gespräche mit Schulleitung, Lehrern, Schülern, Eltern und Partnern) das Siegel zuerkannt. Die Verleihung fand im September 2006 in Landau statt und war zugleich Auftaktveranstaltung für 2006/2007.

Zwei Schulen nahmen das „Berufswahl-SIEGEL" zum Anlass, schulinterne Fortbildungsmaßnahmen durchzuführen, in denen es um Verstärkung fächerübergreifender Ansätze ging. Die acht Anhörungen vor der Jury, die sich jeweils über einen ganzen Vormittag erstreckten, brachten alle Akteure (Schulleitung, Kollegien, Schüler, Eltern, Partner) mit der Jury ins Gespräch.

In der Jury arbeiteten Akteure aus unterschiedlichen Arbeitsbezügen zusammen. Sie erhielten wertvolle Einblicke in die Arbeit der Schulen. Diese Sensibilisierung erhöhte die Bereitschaft beteiligter Firmen und Kammern, mit Schulen zu kooperieren.