Geschäftsmodell

Die Gründung eines gemeinsamen Laborunternehmens von Charite und Vivantes bündelt Expertise, Erfahrungen, Kompetenzen und Marktauftritt beider Häuser. Hieraus ergeben sich folgende wesentliche Vorteile:

- § die Zusammenführung zweier annähernd gleich großer Labororganisationen ermöglicht die Steigerung der Wirtschaftlichkeit und Effizienz in der Leistungserbringung, so dass Synergiepotentiale realisiert und Kosten gesenkt werden können

- § die Schaffung eines - so gebündelten - Leistungsspektrums und Dienstleistungsportfolios ermöglicht einen einzigartigen Marktauftritt in führender Position

- § die innovative Ansprache neuer Kooperationspartner und Kunden bildet die Basis für eine nachhaltige Wachstums- und Expansionsstrategie

Status Quo und Reorganisation der Labormedizin:

Die Charite verfügt heute über ein Zentrallabor am Standort Virchow-Klinikum und zwei Präsenzlabore an den anderen beiden Standorten. Zusätzlich sind in einzelnen und unabhängigen Einrichtungen die Mikrobiologie, Virologie, Humangenetik sowie weitere Speziallabore an verschiedenen Standorten angesiedelt.

Vivantes hat einen Großteil der Laborstrukturen bereits vor einigen Jahren in einem Zentrallabor sowie einer Mikrobiologie im Klinikum Neukölln zusammengeführt: Zusätzlich unterhält Vivantes weitere dezentrale Präsenzlabore an allen Klinik-Standorten. Durch die Zentralisierung der Laborleistungen konnten bereits erhebliche Einsparungen erreicht werden: Weitere Optimierungsmöglichkeiten sind ohne Qualitätseinbußen innerhalb von „stand-alone"-Lösungen kaum zu realisieren. Derzeit werden spezialisierte und zumeist teure Untersuchungen in nicht unerheblichem Umfang an externe Labore vergeben.

Der geplante Laborneubau ermöglicht mit der Zusammenführung der Laborstrukturen beider Muttergesellschaften am verkehrsgünstigen Standort, dem Campus Virchow-Klinikum, eine weitere Konzentration der Abläufe. An den einzelnen Klinik-Standorten werden jeweils - auch weiterhin dem klinischen Spektrum angepasste - Notfall-Labore bestehen bleiben. Die Gesamtstruktur wird inhaltlich und prozessual über beide Mutterunternehmen präzise aufeinander abgestimmt, so dass maximale Vorteile aufgrund von Vernetzung und Standardisierung entstehen.

Synergiepotentiale bestehen durch Einsparungen in der Probenannahme, der Prä- und Postanalytik sowie bei den Geräteprozessen. Durch die Zusammenlegung an einem Standort werden zudem die Serienlängen in der Analytik deutlich vergrößert, was sich in sinkenden Sach- und Materialkosten bemerkbar macht.

Ein wesentlicher Meilenstein für den Gesamterfolg der Laborfusion ist die Zusammenführung der Laborbereiche in einem Gebäude: Hierdurch werden

- § bisherige Doppelstrukturen zwischen Charite und Vivantes abgebaut,

- § Logistikprozesse vereinheitlicht und

- § Skaleneffekte in der Leistungserbringung realisiert werden.

- 5 Diese Effekte konnten zum Teil schon in der noch bis zum Ende 2010 laufenden Projektphase realisiert bzw. verbrieft werden: Von Dezember 2009 bis Juni 2010 wurde für große Teile der Laboratoriumsmedizin eine europaweite Ausschreibung aller Geräte und Reagenzien durchgeführt. Im Ergebnis konnte eine Kosteneinsparung i.H.v. ca. 1 Mio. EUR p.a. (20 %) erreicht werden.

Ein weiterer Einsparbetrag ist auf Grund der dann möglichen Reduzierung der Geräteanzahl bereits heute im Fall der Zusammenführung der Standorte in einem Laborneubau vertraglich festgeschrieben.

Unmittelbarer Marktauftritt

Das neue Laborunternehmen ermöglicht einen unmittelbaren Marktauftritt für diagnostische Dienstleistungen. Der gesamte Markt sowie das Laborumfeld befinden sich zur Zeit in einer Konsolidierungsphase, d.h. dass beispielsweise kleine und mittlere niedergelassene Labore von Unternehmensgruppen ("Laborketten") übernommen und integriert werden. Diese wiederum sind zum Teil bereits wieder an ausländische Laborunternehmen oder Finanzinvestoren veräußert worden. Obwohl sie über das gesamte medizinische Expertenwissen unmittelbar verfügen, nehmen Krankenhausunternehmen in öffentlicher Trägerschaft an solchen Entwicklungen des Gesundheitsmarktes in der Regel nicht aktiv gestaltend teil. Kurzfristig sind Krankenhäuser von derartigen Konsolidierungsphasen auch nicht direkt betroffen, sie werden aber mittelfristig durchaus mit den Ergebnissen dieser Transformationsprozesse konfrontiert, die sich etwa in der Gehaltsentwicklung für qualifizierte Labormediziner oder der Preisentwicklung für Spezialleistungen und Reagenzien ausdrücken. Diese Nicht-Nutzung vorhandener Erlös- und Entwicklungspotenziale kann aufgrund des perspektivisch eingeengten Bewegungsspielraums nachteilig wirken.

Die genannten Veränderungen des Marktumfeldes haben auch die Anforderungen an die Labordienstleister grundlegend verändert. Neben fachlicher Expertise ist es heute notwendig, schnell und flexibel auf die Einsender reagieren zu können, umgehend Angebote zu erstellen und moderne Logistik- und IT-Strukturen vorzuhalten.

Diese veränderten Erfolgsfaktoren haben dazu geführt, dass trotz des objektiv vorhandenen Wissensvorsprungs und der existierenden Größenvorteile die Pläne beider Mutterunternehmen durch externe Umsatzgenerierung erfolgreich am Marktwachstum teilzuhaben, sich nicht im gewünschten Maße realisiert haben. Es werden bis heute nur vereinzelt externe Einsender versorgt. Die Ursache hierfür liegt im Wesentlichen an

- § der limitierten Flexibilität der Strukturen in beiden Häusern

- § der nicht ausreichend erfolgten Vereinheitlichung der Laborinstitute innerhalb der Charite sowie

- § dem begrenzten Umfang des angebotenen Leistungsspektrums bei Vivantes

- 6 Das neue Labor wird als eigenständiges Unternehmen "Labor Berlin" am Markt agieren und somit auf Anforderungen schnell und flexibel reagieren können. Es wird seine Strukturen und Abläufe auf diesen Zweck ausrichten: Neben eigenständigen Managemententscheidungen bedeutet dies insbesondere auch die Zusammenführung aller Laborbereiche unter einer organisatorischen Leitung und die Konzentration des Unternehmens auf das „Kerngeschäft Labordienstleistungen".

Für die Erzielung externer Erlöse basiert das Geschäftsmodelle der Laborgesellschaft auf drei Säulen:

- § Umfassende Versorgung von weiteren Krankenhäusern mit Labordienstleistungen

- § Gemeinsame Entwicklungs- und Kooperationsprojekte mit industriellen Partnern

- § Versorgung von niedergelassenen Arztpraxen und Medizinischen Versorgungszentren.

Die Erfahrung aus der Versorgung von insgesamt ca. 8.500 Krankenhausbetten bei Charite und Vivantes wird durch das Labor Berlin erfolgreich auf weitere Strukturen übertragen. Dies ist umso wichtiger, weil immer mehr mittlere und größere Krankenhäuser für ihre Labore externe Dienstleister suchen. Die Authentizität einer öffentlichen Trägerstruktur und die große Krankenhaus- bzw. Branchenexpertise des neuen Laborunternehmens ermöglichen es aus Sicht von Charite und Vivantes ein erfolgreiches Alternativmodell zum klassischen Outsourcing an private Labore anbieten zu können. Für künftige Kooperationspartner aber auch für die Mitarbeiter der Krankenhäuser kann ein wichtiges Argument für eine Zusammenarbeit darin bestehen, dass diese beiden Unternehmen mit der gesamten Bandbreite des Angebots dafür stehen, strategische Entscheidungen nicht ausschließlich am Prinzip der Gewinnmaximierung auszurichten, sondern dass die Qualität der Leistung und die Sicherheit der Patientenversorgung ausschlaggebend sind.

Die breite akademische und wissenschaftliche Basis des Unternehmens (s. auch 3.4) bietet eine attraktive Plattform für die Diagnostik- und Medizintechnikindustrie. Durch das hohe Probenaufkommen mit einem großen Spektrum an pathologischen Werten können innerhalb von Partnerschaften neue Technologien und Methoden schneller erprobt und weiterentwickelt werden.

Die Fokussierung des Unternehmens auf die Entwicklung einer Dienstleistungsmentalität hat sich im Verein mit der gebündelten Expertise und dem umfassenden Versorgungssegment der Mutterunternehmen bereits in den Monaten der Modellentwicklung als stark nachgefragtes Geschäftskonzept erwiesen. Bereits jetzt wurden mit den marktführenden Unternehmen in der Labordiagnostik und Mikrobiologie erfolgreiche Gespräche geführt und erste Vereinbarungen getroffen.