Fuge

Fuge: Raum zwischen 2 Bauteilen, der sowohl offen als auch ausgefüllt sein kann und Formänderung durch Temperaturschwankungen, Schwinden, Quellen und Setzen ohne Spannungsübertragung auf angrenzende Bauteile ermöglicht. Man unterscheidet Fuge nach verschiedenen Gesichtspunkten: 1. nach der Form: 1.1. Bei der geschlossenen Fuge wird der gesamte Hohlraum mit Fugenmaterial gefüllt. Zur Erhöhung der Funktionstüchtigkeit sollte bei Verwendung von Fugendichtungsmasse der Fugengrund (Fugenrückseite) mit einem haftmindernden (Wachsemulsion. Glaswolle o. ä.) und die Fugenflanken mit einem haftfördernden Überzug versehen werden. 1.2. Bei der offenen Fuge bleibt der Fugenraum völlig frei oder wird nur zum Teil mit Material gefüllt; die Öffnung sollte zur Reduzierung des Eindringens von Regenwasser (infolge Winddruck) eine Breite von 5 mm aufweisen.
2. nach der Lage: 2.1. Vertikal-Fuge 2.2. Horizontal-Fuge. Bei montierten Wandkonstruktionen aus großformatigen Elementen (Tafelbauweise) wird der Schnittbereich zwischen Vertikal- und Horizontal-Fuge als Fugenkreuz bez. Bei Mauerwerk aus Natur- oder Kunststeinen heißt die waagerechte Mörtel-Fuge Lager-Fuge, die senkrechte zwischen 2 nebeneinanderliegenden Steinen Stoß-Fuge und eine durchgehende Stoß-Fuge - Schnitt-Fuge.
3. nach der Anzahl der Dichtungen: 3.1. Einstufig gedichtete Fuge bieten nur einfache Sicherheit (geschlossene Fuge), d. h., bei Undichtigkeit können Feuchtigkeit und Luft direkt in die Bauteile eindringen. Mit Undichtigkeit ist zu rechnen, da die Lebensdauer der Dichtungsstoffe meist kürzer als die der Bauelemente ist. 3.2. Mehrstufig gedichtete Fuge bieten zwei- oder mehrfache Sicherheit, ermöglichen eine klare Funktionstrennung zwischen Regenschutz und Winddichtung und haben sich gut bewährt, sind aber technologisch meist komplizierter und kostenaufwendiger als einstufig gedichtete. Am häufigsten finden sie bei montierten Außenwänden Anwendung. Die Mehrstufendichtung einer Vertikalfuge besteht aus einer Regensperre (glatte oder profilierte Streifen aus PVC-schlagzäh, Neoprene o. ä.), die das direkte Eindringen von Regentropfen in den Fugenraum verhindert, einem Dekompressions- oder Druckminderungskanal, der den Winddruck reduziert und damit das Eindringen von Regenwasser erschwert, und einer Winddichtung (Bitumenbinde, Profileinlage o. ä.), die den Luftdurchtritt verhindert und unter Beibehaltung der Funktionstüchtigkeit Formänderungen aufnehmen kann. Die größte Wirksamkeit einer mehrstufig gedichteten offenen Fuge wird erreicht, wenn der Fugenhohlraum (z. B. Dekompressionskanal) mit der Außenluft in Verbindung steht und sich so ein Druckausgleich einstellen kann. Bes. Vorteile des in dargestellten Fugendichtungsprofils sind die Vereinigung von Regensperre und Winddichtung in einem Element und die Erhöhung der Fugendichtheit mit zunehmender Regen- und Windbelastung. Für eine mehrstufig gedichtete Horizontal-Fuge ist die Schwelle typisch, ein nach unten überstehender Teil der Wetterschale als Regensperre; ihre Höhe beträgt in Abhängigkeit von Höhenlage und Gebäudehöhe 50 bis 150 mm. Weitere Bestandteile sind Dekompressionsraum und Winddichtung, letztere ist immer vorhanden.
Bewegungsfuge sind durchgehende Schlitze in Bauwerken und -teilen bzw. zwischen 2 Baukörpern zur Aufnahme von Bewegungen und Verformungen ohne Rissschäden. 4.1. Setzungsfuge verhindern unzulässige Spannungen bei ungleicher Setzung eines Bauwerks infolge unterschiedlichen Baugrunds. 4.2. Dehnungsfuge verhindern Spannungsübertragung infolge Temperaturschwankungen u. a. formändernden Einflüssen. Ihr Abstand ist in erster Linie abhängig von dem Wärmeausdehnungskoeffizienten der verwendeten Baustoffe und den Temperaturschwankungen; er beträgt bei Geschoßbauten in der Ziegel- und Tafelbauweise max. 60 m und in der Skelettbauweise max. 72 m.
5. Arbeitsfugenennt man eine durch Unterbrechung des Betoniervorgangs entstehende Fuge.
6.Die Scheinfuge ist eine funktionslose, nur angedeutete Fuge.
7. Fugendichtungsmaterial: 7.1. Dichtungsmassen sind Dichtungskitt und -paste, die im allgemeinen nicht erhärten und weitgehend dauerplastisch (z. B. „Morinol- Fugenkitt) oder -elastisch bleiben. 7.2. Dichtungsprofile sind elastisch geformte Streifen aus „Neoprene, APT-Kautschuk u. ä. in verschiedenen Querschnittsformen (Hohl- und Vollquerschnitte aus Schaumstoffen, vakuumierte Hohlquerschnitte, die nach dem Einbau geöffnet werden, Mehrkammerprofile und Querschnitte, die nach dem Lippenprinzip gestaltet sind). 7.3. Dichtungsband nennt man Streifen aus imprägnierten oder bituminierten Geweben, aus „Neoprene u. ä., die mit den Fugenbegrenzungsflächen meist durch Kleben verbunden sind und zur Aufnahme von Längenänderungen vielfach eine Mittelfalte erhalten. 7.4. Profilleisten sind starre oder flexible Streifen aus Plast, Metall o. ä. zur Abschirmung oder Abdeckung von Fuge (z. B. Regensperre), die den Anforderungen an eine Abdichtung nicht gerecht werden.