Geldmarkt

Geldmarkt - 1. i. w. S. kapitalistischer Markt für kurzfristige Kredite im Unterschied zum Kapitalmarkt als Markt für langfristige Kredite, historisch hervorgegangen aus dem Geldhandel (Wechselgeschäft), d. h. dem Umwechseln der verschiedenen Landesmünzen. Hinzu kam die Kassierertätigkeit für Kaufleute und Handwerker und das Verleihen von Geld gegen Zins. Der Geldhandel bereitete mit dem Wucher die kapitalistische Produktionsweise vor. So entstand der Begriff des Geldmarkt als für das gesamte Bankgeschäft typische Erscheinungsform. - 2. i. e. S. Markt für den Geldverkehr der kapitalistischen Geschäftsbanken untereinander. Gegenstand des Geldmarkt sind a) disponible Notenbankguthaben und b) notenbankfähige Titel von hoher Liquidität (Geldmarktpapiere). Nach der Befristung unterscheidet man folgende Arten der Ausleihe von Notenbankguthaben: Tagesgeld (Guthaben, das nur von einem zum anderen Tag ausgeliehen wird, also am nächsten Tag wieder zurückzuzahlen ist), tägliches Geld (täglich kündbare Ausleihe von Notenbankguthaben), Ultimogeld (befristete Ausleihe für den Zeitabschnitt vor und nach dem Monats- bzw. Jahresende), Monats-, Dreimonats-, Halbjahres- und Jahresgeld (Ausleihe für einen Monat, einQuartal usw.). Zu den Geldmarktpapieren rechnen Schatzwechsel des Staates (Laufzeit bis 90 Tage), unverzinsliche Schatzanweisungen, in der BRD zusätzlich Vorratsstellenwechsel (Solawechsel der Einfuhr- und Vorratsstellen) sowie bankgirierte Warenwechsel (über größere Beträge lautende Wechsel, die neben den Unterschriften des Ausstellers und des Bezogenen das Giro einer ökonomisch starken Geschäftsbank tragen). - Träger des Geldmarkts sind ausschließlich die Zentralnotenbank und die Kreditinstitute, z. T. auch der Staatshaushalt (fiscal policy). Banken leihen überschüssige Reserven, die in Guthaben bei der Zentralnotenbank bestehen, an andere Bankinstitute aus, um deren Liquidität kurzfristig zu stärken, oder legen sie in Geldmarktpapieren an. Es besteht eine strenge Rückzahlungsverpflichtung zu
einem genau fixierten Termin (Geldtermingeschäft). Der Zinssatz (Geldmarktsatz) wird durch den Diskontsatz (Diskont) bestimmt: Entsprechend den Marktbedingungen liegen die Geldmarktsätze (differenziert nach der Fälligkeit der Notenbankguthaben und der, Art der Geldmarktpapiere) über oder unter dem Diskontsatz. - Eine spezielle Form des Geldmarkt ist der Privatdiskontmarkt, d. h. der Handel zwischen ökonomisch starken Banken mit Bankakzepten, also Wechseln, die von Unternehmen auf Banken gezogen werden; nach Akzeptierung . nehmen die Unternehmen damit Akzeptkredit in Anspruch. Der Privatdiskontmarkt ist nur auf wenige Banken und Monopolunternehmen beschränkt. Der Privatdiskontsatz liegt in der Regel unter dem Diskontsatz der Zentralnotenbank