Internat

Internat

Ein Internat besteht aus einem Wohnbereich und einer schulischen Einrichtung. Schüler aller Jahrgangsklassen erfahren in einem Internat eine Erziehung, die sich nicht nur auf die Vermittlung von Lehrstoff beschränkt.

Es gibt drei verschiedene Arten von Internaten, die sich im Wesentlichen darin unterscheiden, ob Wohnen und Lernen unter einem Dach vereint sind. Das klassische Internat besteht aus einer Schule und einem Wohnheim, welche sich im selben Gebäude bzw. Anwesen befinden. Diese Art von Internat versteht sich als geschlossene Einheit, in welcher der Besuch der Schule ausschließlich den Internatsschülern vorbehalten ist. Es gibt auch solche Einrichtungen, welche den Zugang zur Schule auch den Schülern erlaubt, die außerhalb, also im eigenen häuslichen Umfeld leben. Die dritte Art von Internat stellt ein Wohnheim für Schüler dar, welche eine öffentliche Schule am Ort besuchen.

Ein Internat unterscheidet sich von einem Wohnheim für Schüler ganz wesentlich, denn es findet im Internat nicht nur Unterbringung und Verpflegung statt. Vielmehr wird in einem Internat die Erziehung in allen Lebensbereichen groß geschrieben. Da die Kinder und Jugendlichen außerhalb des Elternhauses leben, gehört auch die Erziehung im Alltag zum Programm eines Internats. Der persönlichen Entwicklung der Schüler wird dabei genauso viel Beachtung geschenkt wie die der schulischen Leistungen. Schüler mit Lerndefiziten können in einem Internat die notwendige Förderung erfahren, genauso wie besonders begabte Schüler. Darüber hinaus werden auch solche Fähigkeiten oder deren Ansätze bei den Schülern gefördert, die in einer öffentlichen Schule üblicherweise nicht - oder nicht in dem Umfang - auf dem Stundenplan stehen. Je nach Trägerschaft kann es sich dabei um Sport, Musik oder Kunst handeln, oder um jede andere Förderung von Talenten.

Was ist ein Internat?

Ein Internat ist eine Schule, in der die meisten oder alle Schüler während des Teils des Jahres leben, in dem sie zum Unterricht gehen. Das Wort "Verpflegung" wird im Sinne von "Unterkunft und Verpflegung" verwendet. Einige Internate haben auch Tageskinder, die die Einrichtung tagsüber besuchen und abends zu ihren Familien zurückkehren.

Internatsschüler kehren in der Regel während der Schulferien und oft am Wochenende nach Hause zurück.

Typische Merkmale des Internats?

Der Begriff Internat bezieht sich oft auf klassische britische Internate, und viele Internate auf der ganzen Welt sind diesen nachempfunden.

Ein typisches Internat verfügt über ein großes oder mehrere separate Wohnhäuser, entweder auf dem Schulgelände oder in der Umgebung. Die Schüler benötigen in der Regel eine Erlaubnis, um sich außerhalb definierter Schulgrenzen zu begeben.

Je nach Land und Kontext bieten Internate in der Regel eine oder mehrere Optionen an: voll (Schüler bleiben Vollzeit), wöchentlich (Schüler bleiben von Montag bis Freitag in der Schule und kehren dann für das Wochenende nach Hause zurück) oder nach einem flexiblen Zeitplan (Schüler wählen den Zeitpunkt des Aufenthaltes im Internat, z.B. während der Prüfungswoche).

Zu den Häusern oder Schlafsälen gehören in der Regel Arbeits- oder Schlafsäle, ein Esszimmer oder eine Mensa, in der die Schüler zu festen Zeiten essen, eine Bibliothek und möglicherweise Lernräume, in denen die Schüler ihre Hausaufgaben machen können. Die Häuser können auch Gemeinschaftsräume für Fernsehen und Entspannung und Küchen für Snacks sowie gelegentlich Lagerräume für Fahrräder oder andere Sportgeräte haben.

In einigen Schulen hat jedes Haus Schüler jeden Alters, in diesem Fall gibt es in der Regel ein Präfekten System, das älteren Schülern einige Privilegien und eine gewisse Verantwortung für das Wohlergehen der jüngeren gibt. In anderen Fällen können separate Häuser den Bedürfnissen verschiedener Jahre oder Klassen gerecht werden. In einigen Schulen werden Tageskinder zu sozialen und sportlichen Aktivitäten in ein Wohnheimen oder Häusern eingeteilt.

Jeder Schüler hat einen individuellen Stundenplan, der in den ersten Jahren wenig Ermessensspielraum lässt. Internat und Tagesschüler werden gemeinsam in der Schulzeit unterrichtet und gehen in den meisten Fällen über den Schultag hinaus, zum Sport, in Vereinen oder zu Ausflügen. Neben den üblichen akademischen Einrichtungen wie Klassenzimmern, Hallen, Bibliotheken und Labors bieten Internate oft eine Vielzahl von Einrichtungen für außerschulische Aktivitäten wie Musikräume, Turnhallen, Sportplätze und Schulgelände, Boote, Squashplätze, Schwimmbäder, Kinos und Theater. Eine Schulkapelle ist oft vor Ort zu finden. Tageskinder bleiben oft nach der Schule, um diese Einrichtungen zu nutzen.

Britische Internate haben drei Semester im Jahr, jeweils etwa zwölf Wochen, mit einigen Tagen Halbzeitferien, in denen die Schüler nach Hause oder zumindest von der Schule weggehen sollen. In jeder Semesterhälfte kann es mehrere Wochenenden geben, in denen die Schüler nach Hause gehen können (z.B. können internationale Schüler bei ihren Vormunden oder bei einer Gastfamilie wohnen). Internatsschüler gehen heutzutage oft in der Nähe ihrer Häuser zur Schule und können ihre Familien daher häufig sehen; z.B. werden Familien ermutigt, die Schulsportteams zu unterstützen, oder zu Schulaufführungen in Musik und Theater zu gehen.

Die meisten Wohnheime haben eine zu Bett geh Zeit, je nach Alter, in der die Schüler sich auf das Bett vorbereiten müssen, danach ist das Reden nicht mehr erlaubt. Solche Regeln sind oft schwer durchzusetzen; Schüler können oft versuchen, sie nicht einzuhalten, z.B. indem sie ihren Laptop benutzen oder in ein anderes Zimmer gehen, um zu reden oder Computerspiele zu spielen. Internationale Schüler können wegen dem Zeitunterschied zwischen den Ländern wach bleiben, um mit Freunden oder der Familie Kontakt aufzunehmen.

Einige Internate erlauben nur Internatsschüler, während andere sowohl Internatsschüler als auch Tagesschüler haben, die am Ende des Schultages nach Hause gehen. Bei manchen Internaten ist für die Tagesschüler das Frühstück und Abendessen inklusive, während andere eine Gebühr erheben. Schulen, die sowohl Internats- als auch Tagesschüler haben, beschreiben sich manchmal als Halbinternatsschulen oder Tagesinternatsschulen. Einige Schulen haben auch Schüler, die unter der Woche ins Internat gehen, aber am Wochenende nach Hause gehen: Diese sind bekannt als Wochengäste, Quasi-Gäste oder Fünftagegäste.

Ein weiterer wichtiger Unterschied zwischen Internaten ist die Unterscheidung zwischen gemischten Schulen und Schulen mit nur einem Geschlecht, die entweder nur Jungen oder nur Mädchen dienen.

Andere Formen von Internatsschulen

Internate sind Internate, aber nicht alle Internate sind "klassische" Internate. Andere Formen von Internatsschulen sind:

Geltende Vorschriften in englischen Internaten

Im England sind fast alle Internate unabhängige Schulen, die nicht dem nationalen Lehrplan oder anderen für staatliche Schulen geltenden Bildungsvorschriften unterliegen. Dennoch gibt es einige Vorschriften, vor allem für Gesundheits- und Sicherheitszwecke, sowie das allgemeine Recht. Das Department for Children, Schools and Families hat in Zusammenarbeit mit dem britischen Gesundheitsministerium Richtlinien für Internate, die so genannten National Boarding Standards, erlassen.

Ein Beispiel für Regelungen, die unter die National Boarding Standards fallen, sind die für jeden Schüler erforderliche Mindestfläche oder Wohnfläche und andere Aspekte der Grundausstattung. Die Mindestfläche eines Wohnheims für zwei oder mehr Schüler ist definiert als die Anzahl der im Wohnheim übernachteten Schüler multipliziert mit 4,2 m², plus 1,2 m². Zwischen zwei Betten in einem Schlaf- oder Schrankraum sollte ebenfalls ein Mindestabstand von 0,9 m eingehalten werden.

Dies sind einige der wenigen Richtlinien, die festgelegt wurden. Wahrscheinlich ist aber, dass nicht alle Internate auf der ganzen Welt diese Mindestgrundanforderungen erfüllen, obwohl sie offensichtlich attraktiv sind.

Historie der Internate

Die Praxis, Kinder in andere Familien oder Schulen zu schicken, damit sie gemeinsam lernen können, ist von sehr langer Dauer und wird in der klassischen Literatur und in britischen Aufzeichnungen festgehalten, die über 1.000 Jahre zurückreichen.

In Europa, ist es seit dem Mittelalter gängig, Jungen in die Klöster zu schicken. Die King's School in Canterbury gilt als ältestes Internat der Welt und wird auf 597 n. Chr. datiert. Klosterschulen als solche wurden im Allgemeinen mit den Klöstern selbst unter Heinrich VIII. aufgelöst, obwohl zum Beispiel die Westminster School durch das Briefpatent des Königs spezifisch erhalten wurde und es wahrscheinlich ist, dass die meisten Schulen sofort ersetzt wurden.

Gesellschaftsübergreifend

Internate manifestieren sich in verschiedenen Gesellschaften auf unterschiedliche Weise. In einigen Gesellschaften beginnen Kinder beispielsweise schon früher mit dem Internat als in anderen. In einigen Gesellschaften hat sich eine Tradition entwickelt, in der Familien ihre Kinder seit Generationen ins gleiche Internat schicken.

Eine Beobachtung, die weltweit zu gelten scheint, ist, dass deutlich mehr Jungen als Mädchen ein Internat besuchen und zwar für einen längeren Zeitraum.

Vereinigte Staaten

In den Vereinigten Staaten werden Internate für Schüler unter 13 Jahren als Juniorinternate bezeichnet und sind nicht so verbreitet und nicht so gefördert wie in Großbritannien und Indien. Das älteste Juniorinternat der Vereinigten Staaten ist die Fay School in Southborough, Massachusetts. Andere Internate sind für Schüler im High-School-Alter gedacht, in der Regel im Alter von 14-18 Jahren. Etwa ein halbes Prozent oder (0,5%) der Schulkinder besuchen Internate in den Vereinigten Staaten. Im Vergleich zu Großbritannien oder den Commonwealth-Ländern ist dies viel geringer. In Großbritannien wird etwa ein Prozent der Kinder in Internate geschickt, Internate für diese Altersgruppe werden oft als Vorschulen bezeichnet.

Internate im Vereinigtes Königreich

Internate in England begannen im Mittelalter, als Jungen in ein Kloster oder einen adligen Haushalt geschickt wurden. Im 12. Jahrhundert befahl der Papst allen Benediktinerklöstern wie Westminster, Wohltätigkeitsschulen zu bauen. Diese öffentlichen Schulen spiegelten die College-Universitäten von Oxford und Cambridge wider, wie es in vielerlei Hinsicht immer noch der Fall ist, und wurden dementsprechend bis ins 19. Jahrhundert fast ausschließlich von Geistlichen besetzt. Der Privatunterricht zu Hause blieb für aristokratische Familien und insbesondere für Mädchen die Regel, aber nach dem 16. Jahrhundert wurde immer mehr akzeptiert, dass Jugendliche jeden Ranges am besten gemeinsam erzogen werden sollten. Damit hat sich die Institution über 1.000 Jahre hinweg an die sich verändernden gesellschaftlichen Verhältnisse angepasst.

Internatsvorbereitungen spiegeln in der Regel die von ihnen genutzten öffentlichen Schulen wider. Sie haben oft eine mehr oder weniger offizielle Bindung an bestimmte Schulen.

Das klassische britische Internat wurde während der kolonialen Expansion des British Empire sehr beliebt. Britische Kolonialverwalter im Ausland konnten sicherstellen, dass ihre Kinder in der britischen Kultur an öffentlichen Schulen in Großbritannien aufwuchsen, und den lokalen Herrschern wurde die gleiche Ausbildung für ihre Söhne angeboten. Die Internate, die ihre eigenen Werte vermitteln, wurden zu einer effektiven Möglichkeit, die lokale Bevölkerung zu ermutigen, britische Ideale zu teilen und so den Briten zu helfen, ihre imperialen Ziele zu erreichen.

Einer der Gründe, warum Kinder manchmal in Internate geschickt werden, ist die Entwicklung eines größeren Horizonts, als es ihre Familie bieten kann. Ein Internat, das eine Familie seit Generationen besucht, kann die Kultur definieren, die Eltern für ihre Kinder anstreben. Ebenso können Eltern durch die Wahl eines Internats danach streben, ihre Kinder zu verbessern, indem sie sich zu gleichen Bedingungen mit Kindern der Oberschicht vermischen können. Diese Gründe können jedoch andere Gründe für die Entsendung eines Kindes von zu Hause verbergen. Diese können für Kinder gelten, die als zu ungehorsam oder zu leistungsschwach gelten, für Kinder aus Familien mit geschiedenen Ehepartnern und für Kinder, auf die sich die Eltern nicht viel beziehen. Diese Gründe werden selten ausdrücklich genannt.

Im Jahr 1998 gab es in England 772 private Internate und 100.000 Kinder die Internate besuchten. In England sind sie ein wichtiger Faktor im Klassensystem. In Großbritannien werden etwa ein Prozent der Kinder in Internate geschickt. Auch in Großbritannien werden Kinder im Alter von 5 bis 9 Jahren in Internate geschickt.

Commonwealth-Länder

Die meisten Gesellschaften auf der ganzen Welt weigern sich, Internate zur bevorzugten Option für die Erziehung ihrer Kinder zu machen. Internate sind jedoch eine der bevorzugten Bildungsmethoden in ehemaligen britischen Kolonien oder Commonwealth-Ländern wie Indien, Pakistan, Nigeria und anderen ehemaligen afrikanischen Kolonien Großbritanniens. So ist beispielsweise in Ghana die Mehrheit der Sekundarschulen Internate. In China werden einige Kinder im Alter von 2 Jahren ins Internat geschickt. In einigen Ländern, wie Neuseeland und Sri Lanka, haben eine Reihe von staatlichen Schulen Internate.

Internate in der Schweiz

Der Bund hat eine Strategie entwickelt, die darauf abzielt, private Internate für ausländische Schülerinnen und Schüler als integralen Bestandteil der Wirtschaft des Landes zu fördern. Ihre Internate bieten Unterricht in mehreren Hauptsprachen an und verfügen über eine große Anzahl hochwertiger Einrichtungen, die vom Verband der Privatschulen Schweiz organisiert werden. Das teuerste Internat der Welt ist das Schweizer Schulinstitut Le Rosey.

Internate in Kanada

In Kanada ist das Columbia International College mit 1.700 Schülern aus aller Welt das größte unabhängige Internat. Die Robert Land Academy in Wellandport, Ontario, ist Kanadas einziges privates Internat im militärischen Stil für Jungen der Klassen 6 bis 12.

Ureinwohner Amerikas

Ende des 19. Jahrhunderts unternahm die Regierung der Vereinigten Staaten eine Politik der Erziehung der indianischen Jugend zu den Methoden der dominanten westlichen Kultur, so dass die Indianer sich dann in die westliche Gesellschaft integrieren konnten. In diesen von der Regierung verwalteten und regulierten Internaten wurden die indianischen Schüler einer Reihe von Taktiken unterzogen, um sie auf das Leben außerhalb ihrer Reservationshäuser vorzubereiten.

Internate in China

Viele Internate der Grund- und Sekundarstufe wurden in ländlichen Gebieten des chinesischen Festlandes eingerichtet. Soziologische Fragen

Einige hochschulvorbereitende Internate für Schülerinnen und Schüler im Alter von 14 bis 18 Jahren werden von Soziologen als Sozialisationszentren für die nächste Generation der politischen Oberschicht angesehen und bilden ein elitäres Klassensystem ab. Dies zieht Familien an, die Macht und Hierarchie für die Sozialisation ihrer Familienmitglieder schätzen.

Internate werden von bestimmten Familien als Sozialisationszentren angesehen, in denen sich die Schüler mit anderen mit ähnlicher sozialer Hierarchie zu einem so genannten Old Boy Network vermischen. Elite-Internatsschüler werden mit der Annahme erzogen, dass sie die Gesellschaft kontrollieren sollen. Bedeutende Zahlen von ihnen treten in die politische Oberschicht der Gesellschaft ein oder schließen sich der Finanzelite in Bereichen wie dem internationalen Bankwesen und Risikokapital an. Die Sozialisation von Elite-Internatsschulen bewirkt, dass die Schüler ein starkes Gefühl von Anspruch und sozialer Kontrolle oder Hierarchie verinnerlichen. Diese Form der Sozialisation wird von Peter Cookson & Caroline Hodges (1985) als "tiefe Struktursozialisation" bezeichnet. Dies bezieht sich auf die Art und Weise, wie es Internaten gelingt, nicht nur das körperliche Leben der Schüler, sondern auch ihr emotionales Leben zu kontrollieren.

Das Internat beinhaltet die Kontrolle des Verhaltens in Bezug auf verschiedene Aspekte des Lebens, einschließlich dessen, was angemessen und/oder akzeptabel ist, was Jugendliche als störend empfinden würden. Diese Sozialisation im Internat wird weit nach dem Schulabschluss und in ihren Umgang mit der sozialen Welt übertragen.

Sozialisierung von Rollensteuerung und Geschlechter-Stratifizierung

Die Internatssozialisation von Kontrolle und Hierarchie entwickelt eine tief verwurzelte und starke Bindung an soziale Rollen und eine rigide Geschlechter-Stratifizierung, wie sie in der Forschungsarbeit von Sarah Chase dokumentiert ist. Sie stellt fest, dass eines der überraschenden Ergebnisse ihrer Studie die stark geschlechtsspezifische Schülerkultur im Internat war. Der soziale Konformitätsdruck war hochgradig und mehrere Schüler missbrauchten Leistungsdrogen wie Ritalin sowohl für die akademische Leistung als auch für die Gewichtsabnahme.

Psychologische Probleme

Der Aspekt des Internatslebens mit seinem rund um die Uhr bewohnten Zusammenleben von Schülern in der gleichen Umgebung, die am Lernen, Schlafen und Sozialisieren beteiligt sind, führt zu Druck und Stress im Internatsleben. Dies manifestiert sich in Form von Hyperwettbewerbsfähigkeit, Konsum illegalen Drogen und psychischer Depression, die sich manchmal in Selbstmord oder dessen Versuch manifestieren können. Studien zeigen, dass etwa 90% der Internatsschüler erkennen, dass das Leben in einer Gesamtinstitution wie dem Internat erhebliche Auswirkungen hat und ihre Wahrnehmung und Interaktion mit sozialen Beziehungen verändert hat.

Es wird behauptet, dass Kinder in die Internate geschickt werden, um ihnen mehr Möglichkeiten zu bieten, als ihre Familie ihnen bieten kann. Dazu gehört jedoch, wesentliche Teile des frühen Lebens in einer Institution zu verbringen, die als Gesamtinstitution angesehen werden kann.

Dies kann eine langfristige Trennung von den Eltern und der Kultur bedeuten, die zur Erfahrung von Heimweh führt und emotionaler Verlassenheit und zu einem Phänomen führen kann, das als TCK oder „Drittkulturkinder“ bekannt ist.

Die Vorschulkinder leben in einer Welt, die völlig vom häuslichen Leben getrennt ist. Sie haben ein anderes Vokabular, ein anderes Moralsystem, sogar unterschiedliche Stimmen. Nach ihrer Rückkehr aus den Ferien erfolgt der Übergang vom Heim- zum Schulselbst fast sofort, während der umgekehrte Prozess mindestens zwei Wochen dauert. Das Schulleben wird zur Realität, das Privatleben zur Illusion.

Daten über das statistische Verhältnis von Jungen zu Mädchen, die in Internate eingeschrieben werden, die Gesamtzahl der Kinder einer bestimmten Population in Internaten nach Ländern, das Durchschnittsalter, wenn Kinder in Internate geschickt werden, und die durchschnittliche Ausbildungsdauer (in Jahren) von Internatsschülern wurden noch nicht erhoben.

Internatssyndrom

Das Internatssyndrom wurde von der Psychotherapeutin Joy Schaverien Phd. in einem im Mai 2011 im British Journal of Psychotherapy veröffentlichten Artikel geprägt, mit dem eine Reihe von dauerhaften psychischen Problemen identifiziert werden kann, die bei Erwachsenen zu beobachten sind, die als Kinder bereits in jungen Jahren von zu Hause weg ins Internat geschickt wurden.

Sind unsere Internate noch zu retten?

Die Differenzierung bringt in ohnehin kleiner gewordenen Internaten ein zusätzliches Schul- und Klassensplitting mit sich. Die Hausaufgabenbetreuung wird schwieriger und zeitaufwendiger. Viele Eltern suchen leider dann erst ein Internat, wenn bereits schulische Probleme aufgetreten sind. Konnte man früher bei starker Nachfrage „Problemfälle“ ohne Bedenken ablehnen (ob pädagogisch sinnvoll sei dahingestellt), wird inzwischen doch jeder Fall eingehend geprüft: Trotz schulischer Defizite und bestimmter Phänomene an Lern- und Verhaltensstörungen werden Schüler nicht zuletzt auch im Blick auf sinkende Schülerzahlen aufgenommen.
„Problemkinder“ im Internat haben situationsbedingt in den letzten Jahren zugenommen. Die Betreuung musste intensiver werden; eine kritische Grenze wird bald sichtbar. Unsere Internate leisten zwar auch gute sozialpädagogische Arbeit, sind aber schließlich auf Schule ausgerichtet und somit zunächst (und in einem gewissen Sinne auch bleibend) Bildungs- und Erziehungseinrichtungen. Unsere Internate haben sehr wohl eine soziale Verantwortung für Kinder aus geschiedenen und zerrütteten Ehen usw. Gegen die Verwechslung von „Internat“ und „Heim“ muss man ohnehin schon immer ankämpfen.
Schulen sind bei abnehmender Schülerzahl allerdings auch immer mehr bereit, auch schwach begabte Schüler aufzunehmen, oder auf Wunsch der Eltern aber doch „mal einen Versuch“ mit dem Schüler zu machen. In der Tat, pädagogisches Bemühen in kleinen Gruppen bzw. Klassen kann durchaus gute Erfolge zeitigen. Nimmt die Betreuung von Problemkindern jedoch einen zu breiten Raum in der Arbeit des Internates ein, verändert sich auch das Internatsleben: Aufbauarbeit, flankierende Maßnahmen, Einzelarbeit werden derart dominant, dass Muße und Freizeit, Gespräch und kreatives Tun zu kurz kommen. Der gute Ruf des Internats darf jedoch nicht beeinträchtigt werden. Darum erhöhte kompensatorische Anforderungen an Schüler und Erzieher. Der Leistungsnachweis des Internates wird ja de facto zunächst am schulischen Erfolg gemessen, mag die menschliche Atmosphäre und die sonstige pädagogische Arbeit noch so gut sein. Eine Reflexion der unmittelbar im Internat Tätigen, der Erzieher wie auch der verantwortlichen Personen, über den ursprünglichen Sinn der Zielsetzungen der/des Internate(s) und über den derzeitigen Status quo und die pädagogischen Rahmenbedingungen sind dringend notwendig, um einen unnötigen gegenseitigen Legitimationsdruck zu vermeiden bzw. abzubauen.

Legitimationsdruck nach innen und außen - mangelnde Öffentlichkeitsarbeit

Bedenklich ist es, wenn Eltern bei ihren Kindern den ersten Hinweis auf ein Internat in Form einer Drohung geben: „Wenn es mit dir nicht besser wird, kommst du ins Internat!“. Das Image der Internate und die Motivation der Kinder, innerlich zuzustimmen, wird dadurch gewiss nicht gefördert. Es gibt viele familiäre Anlässe, z. B. Berufstätigkeit beider Eltern u. a. m., die nicht das Verhalten des Kindes unmittelbar tangieren. Auch die wachsende Zahl alleinerziehender Väter oder Mütter sollte verstärkt in den Blick genommen werden. So gut die Arbeit in den Internaten auch sein mag, sie stehen in mehrfacher Hinsicht unter ständigem Legitimationsdruck:

Internatsstruktur im Wandel

Die Internate entwickeln sich mit der Gesellschaft. Der Prozess dieser Entwicklung ist nicht immer punktuell festzumachen, aber über einen Zeitraum von mehreren Jahren hin lässt sich doch ein Strukturwandel beobachten. Der Wandel ist kein unausweichlicher Vorgang, sondern beeinflussbar und gestaltbar.

1. Von der Bildungseinrichtung zur Sozialeinrichtung

Wir haben hier vor allem die Internate vor Augen, die Gymnasien oder Realschulen angeschlossen bzw. zugeordnet sind. (Das Gesagte mag aber auch für Lehrlingsinternate oder ähnliche Einrichtungen gelten). Ihre Herkunft haben diese Internate von der Idee der Bildung her. Manche Kinder besuchten in der vergangenen Zeit ein Internat, um in den Genuss einer Schulbildung zu kommen, die wegen Mangel an Schulen im Herkunftsort nicht erreichbar war. Vorausgesetzt wird das gesunde, strebsame Kind, das einem drohenden Bildungsdefizit dadurch entgeht, dass es über ein Internat den Anschluss an die Bildung findet. Dieser Umstand kommt heute immer weniger zum Tragen, da immer mehr Bildungseinrichtungen flächendeckend geschaffen wurden.
Das Internat konnte jedoch erneut einen Aufwind erfahren, wenn es einer Schule angeschlossen war, die in der Konkurrenz der Angebote einen besonders guten Ruf hatte.
Zugleich hat sich gezeigt, dass Internate, die mit einer Schule verbunden sind, in den letzten Jahren am ehesten Bestand hatten. Das weist darauf hin, dass der Bildungsfaktor weiterhin ein wichtiges Kriterium für den Aufenthalt eines Kindes im Internat darstellt. Der Wandel ist jedoch unverkennbar. Die Bildungsaufgabe des Internats ist heute weithin nur noch zu verfolgen, wenn auch die Sozialfunktion gelingt. Eine wachsende Zahl von Kindern bringt ein soziales Defizit mit, das häufig auch in ein Bildungsdefizit führt und schwerer aufzuarbeiten ist als das Bildungsdefizit von ansonsten gesund entwickelten Kindern aus lebensstarken Familien.
Ein soziales Defizit besteht in vielfältiger Weise: als Ablehnung des Kindes, als Gefährdung oder Vernachlässigung bei einer Ehescheidung, als Bedrohung infolge eines sozialschwachen Milieus, so dass eine ermunternde Lebensplanung und Lebenshoffnung des Kindes nach vorn blockiert ist, usw.
Aber auch mehr „naturhafte“ Defizite werden immer mehr wirksam. z.B. Einzelkinder, die zwar erwachsenenorientiert, aber nie geschwisterorientiert handeln gelernt haben, so dass ihnen die Entdeckung ihrer Innenwelt im Umgang mit Altersgleichen, aber auch die Erfahrung, mit anderen in der Verfolgung eigener Ziele zu reden, nicht gegeben ist. So gewinnt das Internat zunehmend auch eine wichtige Aufgabe in seiner Sozialfunktion. Dabei ergibt sich eine Spannung zwischen der Forderung nach Bildung im Sinne der Aneignung der Kulturgüter und der Ertüchtigung zum sozialen Leben. Sollte der Bildungsbereich zu sehr zugunsten des Sozialbereichs zurückgedrängt werden, dann dürfte das Internat ein wesentliches Element seiner Identität verlieren.

2. Von der Kulturstätte zur Freizeitstätte

Mit dem vorherigen ist die Entwicklung des Internates von der Kulturstätte zur Freizeitstätte eng verbunden. Internate, die keinen der heutigen Zeit entsprechenden (d.h. möglichst hohen) Freizeitwert aufweisen, geraten mit ihrer Reputation leicht in Schwierigkeiten. Obwohl Eltern und Kinder in Aufnahmegesprächen den Kulturwert betonen, achten sie sorgfältig darauf, welche Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung das Internat bietet. Auch in vergangenen Zeiten besaß das Internat einen Freizeitcharakter, aber von mehr natürlicher Art. Die Natur selbst, der Wald, das Wasser, die Pflanzen, das Wetter, waren die gegebenen Elemente der Freizeitgestaltung, dazu das Freizeitspiel. Zentral waren Kulturwerke und ihre Verwirklichung im Singen, Werken, Lesen, Schreiben, Musizieren, Theater etc. Kultur- und Freizeitwerte gingen ineinander über, wie es auch heute oft der Fall ist. Und doch wird das Internat eher danach beurteilt, welche Freizeitmöglichkeiten moderner Art es bietet: Schwimmen, Reiten, Golf, Tennis bis zu Computerspielautomaten, Räumen für Musikbands und vielseitigen Hobbyangeboten. Die Tendenz, in der Freizeit eher Geräte zu bedienen, als eigene Gegenstände zu gestalten, nimmt zu. Mitunter kann der Freizeitwert derart betont werden, dass Lernen und kulturelle Interessen zurückgestellt werden. Es bedarf einer ausdrücklichen Bewusstseinsbildung unter den Erziehern, um in der jeweiligen Situation eines Internats mit den Schülern zusammen diese beiden Bereiche in einen positiven Ausgleich zu bringen.
Der hohe Freizeitwert eines Internates soll dazu führen, dass Kinder sich wohlfühlen; und welcher Erzieher wäre nicht froh und stolz, wenn die Kinder, die er betreut, sich im Internat wohlfühlen, weil ihnen ein breites Freizeitangebot zur Verfügung steht. Und doch kann dies der richtige Weg nicht sein, wenn die Erzieher es nicht zugleich auch wagen, Interesse für die kulturellen Bereiche zu wecken.

3. Von der Großstruktur zur Kleinstruktur

Nicht nur leben heute in den meisten Internaten weniger junge Menschen, auch das Zusammenleben erfolgt in kleineren, überschaubareren Gruppen. Ein Internat, das vor 30 Jahren 200 Schüler beherbergte, in Großgruppen zwischen 20 und 30 Schülern, ist heute oft um 1/3 bis zur Hälfte an Zahl verkleinert. Die Zahl der Erzieher nahm deswegen aber nicht ab, sondern ist eher noch gewachsen, um sich den vermehrten kleineren Gruppen zu widmen.
Die Großstruktur band den jungen Menschen in einen größeren Lebenszusammenhang ein. Vieles wurde akzeptiert, weil viele es taten. Gelernt wurde, um einmal etwas anzunehmen, was allen gilt. In der Kleinstruktur kann die Person des einzelnen mehr zur Entfaltung kommen. Der einzelne Schüler erlebt sich persönlich beachtet und berücksichtigt. Er ist aber auch mehr darauf angewiesen. In Zeiten des Konflikts mit dem Erzieher ist er andererseits mehr bedrängt als in einer Großgruppe.
So sehr die Entwicklung zur Kleinstruktur insgesamt zu begrüßen ist, so sollte doch darauf geachtet werden, dass ein Internat nicht zu klein wird. Dem Pyramidenaufbau der Altersstruktur gemäß müsste in oberen Jahrgängen bis zum Abitur zumindest noch eine Kleingruppe von 5-7 Schülern bestehen, wenn das Internat wirklich eine Alternative zum Einzelleben in der Gesellschaft darstellen soll. Der Schüler muss noch Gemeinschaft erfahren können.

4. Von der Internatsarbeit zur Elternarbeit

Internatserzieher und Eltern haben stets mehr oder weniger zusammengearbeitet, ist doch Erziehung nur in einem gegenseitigen Einvernehmen möglich. Die Erzieher kümmerten sich in der Vergangenheit um die Familie nur, um das Kind gut dort abzuholen, wo es stand. Das so übernommene Kind wurde dann jedoch nicht selten ohne viel Rückkoppelung zur Familie im eigenständigen Lebensraum des Internats betreut. Gegenüber der Autorität der Erzieher waren die Eltern zwar auf der Ebene des praktischen Lebens dem Kind stärker verbunden, auf der Ebene des Wissens und der Vermittlung befanden sich die Erzieher jedoch in einer stärkeren Position.
Vieles hat sich seither gewandelt. Internatsarbeit ist heute nicht allein Umgang mit den jungen Menschen, sondern auf weite Strecken hin Sorge um die Familie, aus der ein junger Mensch kommt. Verhaltensprobleme, Lernschwierigkeiten, religiöse Motivationseinwände können durch die Erziehungsvorgänge im Internat allein nicht behoben werden. Sie haben häufig derart ihre Wurzeln im familiären Leben, dass ihnen nur durch einen Wandel in der Familie geholfen werden kann. So ist Internatsarbeit unabdingbar zu einem großen Teil Elternarbeit geworden. Aber nicht nur angesichts der Not vieler Kinder ist Elternarbeit eine wesentliche Komponente der Internatsarbeit. Auch aus einem gewandelten Verständnis der Internatsarbeit als untergeordneter Erziehung ist das Internat stärker als Partner, ja Mitarbeiter der Eltern tätig. Führend sollen die Eltern bleiben, denen das natürliche Recht der Erziehung zukommt. (Dies entspricht auch eher der katholischen Soziallehre, nach der die erste natürliche Lebensgemeinschaft das zur eigenständigen Entwicklung erhalten soll, was sie braucht.) Doch hat das Internat der natürlichen Lebensgemeinschaft „Familie“ die Hilfe zu geben, die sie braucht. Folgerichtig erhalten Eltern Einblick in das Internatsleben und tragen eine bestimmte Mitverantwortung. Diese findet konkrete Gestalt durch die Mitwirkung eines Elternrats, in dem die Erziehung im Internat von Erziehern und Eltern gemeinsam beraten wird. Das Internat wahrt dabei seine Eigentümlichkeit, wie Gruppenerziehung, Bildung, Feste etc. Es wird auch nicht zum verlängerten Arm der Eltern gegenüber ihrem Kind in dem erweiterten Lebensraum, den es selbst bietet und den früher eher Großfamilie und Nachbarschaft darstellten.

5. Vom betreuten zum tätigen Schüler

Stets haben Schüler im Internat ihre Verantwortung wahrnehmen können, und erfahrene Erzieher wussten dies zu fördern. Aber die Gesamtstruktur blieb doch eher von Seiten des Schülers unbefragt und unveränderlich. Dies ist in gewisser Weise auch notwendig, da ein junger Mensch noch nicht die Verantwortung für alle Veränderungen tragen kann, die er bewirkt.
Aber mit der Entwicklung des jungen Menschen gibt es auch eine zunehmende Mitverantwortung, die sich nicht in leeren Worten erschöpfen kann. Allerdings muss sie so geartet sein, dass Konsequenzen von Entscheidungen tragfähig sind und nicht anderen aufgelastet werden, die sie nicht durchführen können. In vielen Internaten gibt es eine Beteiligung der Schüler an Dingen, die sie angehen, durch ihre gewählten Vertreter im sog. Internatsrat. Seine Aufgabe besteht darin, sich an der Gestaltung des Zusammenlebens im Internat aktiv und mitverantwortlich zu beteiligen. Der Schüler kann dies zwar nur in bestimmten Grenzen. Aber die strukturelle Ausrichtung des Internates auf Beteiligung der Schüler an der Verantwortung für ihr Leben hat einen hohen Wert für ihre persönliche Entwicklung. Das Internatsleben kann dadurch einem Erzieher ein Mehr an Einsatz und Mühen abverlangen. Aber es wird dafür auch mehr Leben ermöglicht und gewonnen.

6. Vom dauerhaften zum vorübergehenden Aufenthalt

Durch die Aufnahme in das Internat verschob sich für den jungen Menschen früher oft sein Verhältnis zur Familie. Er verbrachte bedeutend mehr Zeit im Internat als in der Familie, so dass die Familie bald merkte, wie ihr Einfluss auf das Kind zurückging. Das Kind verlor auch mehr den Kontakt zu bisherigen Freunden; neue Beziehungen entstanden, die oft das ganze Leben überdauerten. Die Bindung an das Internat war dementsprechend eng. In dieser Hinsicht hat sich ein großer Wandel vollzogen. In vielen Internaten ist der Schüler nur noch die Woche über und verbringt die Wochenenden zu Hause. Mitunter ist er sogar für Veranstaltungen in seiner Familie oder im Heimatort in der schulfreien Zeit eines Wochentages zu Hause. Der affektive Kontakt zur Familie bleibt erhalten, ebenso zur Heimatgemeinde.
Das Internat wird im Zuge dieser Entwicklung eher als ein Arbeitsplatz angesehen, als vorübergehender Raum des Aufenthalts. Dementsprechend ist der Einsatz im und für das Internat geringer geworden. Das Verständnis vom Ziel des Internats verengt sich; meistens reduziert es sich auf den Zeck, schulisches Vorankommen zu ermöglichen. Gesichtspunkte für Erziehung und Leben des Kindes treten dann zurück; sie fallen den Eltern aus dem Blick.
Wir haben es hier mit einem schwerwiegenden Vorgang für die Zukunft der Internate zu tun. Das, was sich hier mehr faktisch und ohne gezielte Überlegung vollzieht, kann von einem verantwortungsbewussten Internat nicht einfach hingenommen werden. Die Anstrengung muss dahin gehen, die Erziehung so auszurichten, dass das Internat zu einem anregenden und Zufriedenheit gebenden Lebensraum werden kann. Sehr bedeutsam wird hier die Atmosphäre des Hauses, auf die der Erzieher einen großen Einfluss hat. Wie ist seine Begegnung mit dem Schüler, wie empfängt er ihn, wie entlässt er ihn? Der Stil der Kommunikation wird zu einem entscheidenden Kriterium im Erziehungsfeld heutigen Internatslebens.

7. Von der Homogenität zur Pluralität

Die Pluralität der Gesellschaft wirkt sich auch auf das Internat aus. Konnte das Internat früher (zwar altersgemäß abgewandelt) in einer einheitlichen Ordnung geführt werden, so stellen sich heute neue und unterschiedliche Anforderungen von verschiedenen Seiten der Gesellschaft. Nicht wenige Internate, die traditionell nur auf eine bestimmte Schulform (z.B. das Gymnasium) bezogen waren, nehmen jetzt auch Schüler anderer Schularten (z.B. Haupt- und Realschüler) auf. Die Konsequenzen für die Alltagsgestaltung sind mitunter enorm, wenn nicht mehr alle Schüler dieselbe Schule besuchen. Die Folgen für die Festlegung und Gestaltung von Essenszeiten, Studienzeiten und Freizeitmöglichkeiten sind unverkennbar.
Die Erzieher selbst müssen auf mehreren Ebenen handeln, um dieser pluralen Auffassung des Internats gerecht zu werden.
Unabhängig von der Schulform tragen die Schüler mehr als bisher verschiedene Lebenswelten mit in das Internat. Sie nehmen beim Betreten des Internates nicht plötzlich davon Abstand und verhalten sich nach einer bestimmten Norm. Tatenlos kann ein Erzieherteam dem nicht zusehen. Es wird die gemeinsamen Erwartungen an die Schüler sorgsam abwägen und überzeugt artikulieren; zugleich wird es bemüht sein, das Zusammenleben aller mit den Bedürfnissen der einzelnen Kinder in Einklang zu setzen. Dabei bleiben genügend Probleme bestehen. Denn die Möglichkeiten individueller Ausprägung der Schüler im Internat sind heute zwar größer geworden, nicht immer aber auch persönlicher und originärer.

Quelle: www.internat.schule - Erziehung im Internat.